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2 (1896) Organische Chemie
Entstehung
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771
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Kohlehydrate. 771

Die Kohlehydrate kommen hauptsächlich im Pflanzenreiche vor,doch finden sich auch einige im Thierkörper. Sie gehören zu denphysiologisch wichtigsten Körpern, indem sie einestheils den hauptsäch-lichsten Bestandtheil der organischen Stoffe des Pflanzenorganismus aus-machen, anderenteils sie in der Mehrzahl als Nahrungsmittel für Men-schen und Thiere von hohem "Werthe sind. Ihre Darstellung und weitereVerarbeitung bildet die Aufgabe grossartig entwickelter Industriezweige.

Die Kohlehydrate sind feste, theils krystallisirte, theils amorphe,theils histologisch organisirte Körper. Die in "Wasser löslichen Verbin-dungen sind grösstenteils optisch activ; sie lenken den polarisirtenLichtstrahl bald nach rechts, bald nach links ab. In Folge ihrer Nicht-fiüchtigkeit zerfallen sie bei stärkerem Erhitzen und bei der trockenenDestillation unter Abscheidung von Kohle in Verbindungen mit niedri-gerem Kohlenstoffgehalte. Kalte concentrirte Schwefelsäure löst sie, zumTheil unter Bildung von Sulfosäuren, auf; bei längerer Berührung, be-sonders in der Wärme, findet Verkohlung statt. Verdünnte Schwefelsäureführt bei längerem Kochen die Kohlehydrate in Traubenzucker oder anderedem Traubenzucker nahestehende Zuckerarten über: gleichzeitig werdenhierbei Lävulinsäure: C 5 H 8 0 3 , und Furfurol: C 5 H 4 0 2 , in grössereroder geringerer Menge gebildet. Concentrirte. Salpetersäure bildet mehroder minder explosive Nitrate, die gewöhnlich, fälschlicher Weise, alsNitroverbindungen bezeichnet werden. Verdünnte Salpetersäure wirktoxydirend auf die Kohlehydrate ein; je nach der Natur derselben ent-stehen hierbei als Oxydations23roducte Zuckersäure, Schleimsäure, Wein-säure, Traubensäure und als Endproduct besonders Oxalsäure. LetztereSäure wird auch in reichlicher Menge gebildet, wenn man die Kohle-hydrate mit Aetzkali erhitzt.

Obschon bisher nur wenige Vertreter der natürlich vorkommendenKohlehydrate synthetisch dargestellt sind (vergl. Zuckerarten), so fehlt«s doch nicht an Anhaltspunkten, welche die Kohlehydrate als Abkömm-linge der sechsatomigen Alkohole C 6 H 8 (OH) 6 charakterisiren. EinigeKohlehydrate besitzen gleichzeitig den Charakter eines Aldehyds, andereden eines Ketons. Unter sich stehen sie in innigem Zusammenhange,indem sie sämmtlich, wie bereits erwähnt, durch verdünnte Schwefelsäurein Traubenzucker oder dem Traubenzucker verwandte Zuckerarten über-geführt werden. Da andererseits der Traubenzucker und noch leichterder Fruchtzucker durch nascirenden Wasserstoff in Mannit: C' ; H s (OH) ,; ,die Lactose unter den gleichen Bedingungen in Dulcit: C' ; H s (OH) 6 , ver-wandelt, umgekehrt der Mannit durch vorsichtige Oxydation in links-drehende Lävulose: C 6 H 12 0 6 , und in rechtsdrehende Mannose: C^H'-O",übergeführt wird, so muss wenigstens ein Theil der Kohlehydrate zudiesen sechsatomigen Alkoholen in naher Beziehung stehen.

Ihrer chemischen Zusammensetzung nach zerfallen die Kohlehydratein vier Gruppen: 1. die Gruppe des Traubenzuckers: C' ; H 12 0' ; ; 2. dieGruppe des Rohrzuckers: C 12 H 22 0 u ; 3. die Gruppe der Melitose:

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