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2 (1896) Organische Chemie
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Aethylen.

Eigenschaften. Das Aethylen ist ein farbloses, schwach ätherischriechendes Gas, welches an der Luft mit hellleuchtender Flamme ver-brennt. Ein Gemisch aus 1 Volum Aethylen und 3 Volumen Sauerstoffverbrennt unter heftiger Explosion. Auch beim Zusammenbringen desAethylens mit stark ozonisirtem Sauerstoff findet heftige Explosion statt.Das specifische Gewicht des Aethylens beträgt 0,9784 (Luft = 1). Bei0° und einem Drucke von 42,5 Atmosphären verwandelt sich dasAethylen in eine farblose, leicht bewegliche Flüssigkeit, die bei —102bis —103° C. siedet und beim Verdunsten im Vacuum eine Kälte von— 136° C. erzeugt. Anwendung zur Erzielung sehr niedriger Tempera-turen -—. Bei — 181,4° C. verwandelt sich das Aethylen in eine feste,krystallinische Masse, die bei •— 169° C. schmilzt.

Wasser absorbirt bei gewöhnlicher Temperatur etwas mehr als !/e,Alkohol etwas mehr als das 2 l / 2 fache seines Volums. Auch von Aetherwird das Gas in reichlicher Menge absorbirt.

Beim Durchleiten des Aethylens durch ein glühendes Rohr wird esin Sumpfgas und Kohlenstoff gespalten, nebenbei entstehen jedoch auchkleine Mengen von Acetylen und von Wasserstoff. Durch anhaltendeEinwirkung des elektrischen Funkens wird das Aethylen, unter Ver-doppelung seines Volums, in Wasserstoff und Kohlenstoff zerlegt.

Mit Chlor, Brom, Jod verbindet sich das Aethylen direct zu Aethy len-chlorid: C 2 H 4 C1 2 , Aethylenbromid: C 2 H*Br 2 , Aethylenjodid: C 2 H 4 J 2 .Wegen der Fähigkeit, sich mit Chlor zu einer schweren, mit Wasser nichtmischbaren Flüssigkeit, dem Aethylenchlorid, zu vereinigen, hat das Aethylenden Namen Ölbildendes Gas erhalten. Mit Brom- und Jodwasserstoff vereinigtsich das Aethylen allmälig zu Bromäthyl: C 2 H 5 Br, und Jodäthyl: C 2 H 5 J.

Bei gewöhnlicher Temperatur wird das Aethylen von concentrirterSchwefelsäure nur langsam absorbirt, schneller dagegen bei 100° C. unter Bil-dung mit Aethy lschwef elsäure: C 2 BL 5 .HS0 4 . Wird letztere Verbindungmit Wasser destillirt, so findet eine Regeneration des Aethylalkohols statt.Schwefelsäureanhydrid oder rauchende Schwefelsäure führen das Aethylen inCarbylsulfat oder Aethionsäureanhydrid: C 2 H 4 S 2 0 6 , über.

Wässigere unterchlorige und unterbromige Säure führen das Aethylen

in Aethylenchlorhydrin: C 2 H 4 q^ (Siedepunkt 130 bis 131° C.), und

Aethylenbromhydrin: 0«H*,fö r H (Siedepunkt 147° C), über. Mitunter,

Salpetersäure vereinigt sich das Aethylen direct zu festem Aethylennitrit:C 2 H*(N0 2 ) 2 oder [CH S . NO 3 — CH . N . OH] (Schmelzp, 37,5° C).

Leitet man das Aethylen in eine Lösung von Platinchlorür in Salzsäure,so wird es absorbirt unter Bildung von Aethy lenplatinchlorür: C 3 H 4. Pt Cl 2 . Letzteres liefert mit den Chloriden der Alkalimetalle krystallisirbareDoppelsalze, z. B.: C 2 H 4 .PtCl 2 -f KCl -f- H 2 0.

Ein abgekühltes Gemisch aus concentrirter Schwefelsäure und Salpeter-säure oder rauchende Salpetersäure absorbiren Aethylen unter Bildung vonöligem, nicht flüchtigem Aethylennitrat: C 2 H 4 (N0 3 ) 2 , und von Oxalsäure.Durch Kaliumpermanganatlösung wird das Aetlrylen zunächst in Aethylen-glycol: C 2 H 4 (OH) 2 , verwandelt, welches dann weiter zu Oxalsäure, Ameisen-säure und Kohlensäure oxydirt wird.