Druckschrift 
2 (1896) Organische Chemie
Entstehung
Seite
74
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

74 Physikalische Eigenschaften organischer Verbindungen

Säuren. Die Leitfähigkeit wächst ferner mit zunehmender Verdünnung, undzwar hei den schlechten Leitern rascher, als bei den guten.

Als Maass der Leitfähigkeit oder des Leitwiderstandes der Leiter ersterOrdnung wird gewöhnlich die Quecksilbereinheit angenommen, die bei 0° einerQuecksilbersäule von einem Quadratmillimeter Querschnitt und einem MeterLänge entspracht. Die Leitfähigkeit der Leiter zweiter Ordnung oder der Elektro-lyte wird auf Lösungen bezogen, welche ein Molecül der Substanz in Grammenenthalten. Dieser Werth wird als die moleculare Leitfähigkeit der be-treffenden Substanz bezeichnet.

Die moleculare Leitfähigkeit der organischen Säureu (als Natriumsalze)erfährt eine regelmässige Zunahme mit dem Steigen der Basicität, dieselbekann daher zur Ermittelung der letzteren dienen. Eine noch grössere Be-deutung hat die meleculare Leitfähigkeit dadurch erlangt, dass sich durchdieselbe die Dissoeiation der Elektolyte und hierdurch die chemische Affinitätüberhaupt, in manchen Fällen bemessen lässt.

Farbe der organischen Verbindungen.

Die überwiegende Mehrzahl der organischen Verbindungen ist im reinenZustande ungefärbt oder nur von weisser Farbe. Eine nicht unbeträchtlicheAnzahl, sowohl natürlich vorkommender, als auch künstlich erzeugter organi-scher Körper, zeichnet sich jedoch derartig durch intensive Farben aus, dassdieselben als Farbstoffe Verwendung finden können. In einzelnen "Fällen istzwischen der Farbe der gefärbten Verbindungen und der Zusammensetzungderselben ein gewisser Zusammenhang aufgefunden worden, in bei Weitemzahlreicheren Fällen war ein solcher Nachweis jedoch bisher nicht möglich.Jedenfalls hängt die Farbe eines organischen Körpers nicht allein ab von derNatur der Elemente, welche denselben zusammensetzen, sondern wesentlichauch von der Gruppirung der letzteren, oder von der chemischen Constitutionder gefärbten Verbindung.

Die Kohlenstoff-"Wasserstoffverbindungen die Kohlenwasserstoffepflegen im reinen Zustande ungefärbt zu sein. Dasselbe gilt von den Chlor-und Bromsubstitutionsproducten der Kohlenwasserstoffe, wogegen die ent-sprechenden Jodverbindungen bisweilen eine gelbe oder gelbbraune Farbebesitzen (z. B. Jodoform: CHJ 3 ). Die zahlreichen Hydroxylabkömmlinge derKohlenwasserstoffe die Alkohole, welche sich von den Kohlenwasserstoffendurch Ersatz eines oder mehrerer "Wasserstoffatome durch die Gruppe OH ab-leiten, sind ungefärbt, jedoch bedingt nicht selten das gleichzeitige Vorhanden-sein anderer Elemente, namentlich in der Gruppe der aromatischen Verbin-dungen, eine mehr oder minder intensive Farbe. Aehnliche Verhältnisse, wiebei den Alkoholen, walten auch bezüglich der Farben bei den organischenSäuren ob.

Ist der Stickstoff in organischen Körpern in Gestalt der Nitrogruppe:NO 2 , vorhanden, so sind gewöhnlich nur diejenigen Verbindungen gelb odergelbroth gefärbt, in denen diese Gruppe durch das Stickstoffatom direct anKohlenstoff gebunden ist die Nitroverbindungen (z. B. Nitvophenol:

OTT O TT \

C 6 H 42. Pikrinsäure: C 6 H 2 ( - N - r . 2 > 3 ], wogegen diejenigen ungefärbt sind, in

denen der Stickstoff durch Sauerstoff an Kohlenstoff gebunden ist die Sal-petersäureäther (z. B. Schiesshaumwolle, Nitroglycerin).

Die Verbindungen aus der Gruppe der Fettkörper (s. dort), ebenso dieKörper, welche hierzu in naher Beziehung stehen, sind meist ungefärbt, da-