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72 Physikalische Eigenschaften organischer Verbindungen.
Da jedoch optisch active Verbindungen häufig leicht in optisch inactiveverwandelt werden können und ferner physikalisch isomere Körper (s. Seite 70)in ihrem chemischen Verhalten keine bemerkenswerthen Verschiedenheitenzeigen, so ist wohl kaum anzunehmen, dass die Ursache der optischen Ver-schiedenheit in einer Verschiedenheit der Structur zu suchen ist. Vielmehr ist,wie bereits Seite 54 erörtert wurde, das verschiedene optische Verhalten isomererKörper zurückzuführen auf eine verschiedene Gruppirung der in sonst gleicherReihenfolge mit einander verbundenen Atome im Kaume, bei Gegenwart einesoder mehrerer asymmetrischer Kohlenstoffatome.
Löslichkeit organischer Verbindungen.
Für die Löslichkeit der organischen Körper gelten im Allgemeinen die-selben Gesetzmässigkeiten, wie für die anorganischen Verbindungen (s. I. anorg.Theil, Seite 37 u. f.).
Zahlreiche organische Verbindungen lösen sich in Wasser mehr oderminder leicht auf, einzelne derselben zerfliessen sogar hei der Aufbewahrungin der gewöhnlichen Atmosphäre, z. B. Acetamid, salzsaures Trimethyl-amin. Die in Wasser unlöslichen organischen Körper lösen sich meist ohneVeränderung in Alkohol, Aether, Chloroform, Schwefelkohlenstoff, fettenOelen, Essigsäure, Petroleuniäther, Benzol etc. Die nur aus Kohlenstoff undWasserstoff bestehenden organischen Verbindungen — Kohlenwasserstoffe —sind z. B. in Wasser wenig oder gar nicht löslich, dagegen lösen sie sich inAlkohol, Aether, Chloroform und besonders leicht in Benzol und ähnlichenVerbindungen. In ähnlicher Weise, wie die Kohlenwasserstoffe, verhaltensich in den Löslichkeitsverhältnissen auch die Halogensubstitutionsproductederselben.
Die von den Kohlenwasserstoffen sich ableitenden Hydroxylderivate —Alkohole — sind im Allgemeinen in Wasser um so leichter löslich, je mehrHydroxylgruppen: OH, in denselben vorhanden sind. So ist z. B. der Hexyl-alkohol: C 6 H ls .OH, in Wasser nur wenig löslich, das Hexylenglycol: C 6 H 12 (OH) 2 ,dagegen mit Wasser mischbar, der Mannit: C 6 H 8 (OH) 6 , eine in Wasser leichtlösliche, krystallisirbare Substanz. Aehnliche Löslichkeitsverhältnisse, wieobige Hexylalkohole, zeigen auch die ein-, zwei- und dreiatomigen Phenoledes Benzols: C 6 H 5 .OH, C 6 H*(OH) 2 , C 6 H 3 (OH) 3 , und viele andere Hydroxyl-derivate mehr.
Auch bei den organischen Säuren scheinen zum Theil, ähnlich wie beiden Alkoholen, gewisse Regelmässigkeiten in der Löslichkeit obzuwalten, indemletztere mit dem Wachsthume der Basicität jener Säuren häufig ebenfalls eineVermehrung erfährt. Die Buttersäure : C S H 7 —C O . 0 H, löst sich z. B. nicht geradeleicht in Wasser, schon grösser ist dagegen die Löslichkeit der Pyroweinsäuren:C 3 H 6 (CO.OH) 2 , und noch beträchtlicher die der Tricarballylsäure: C 3 H 5 (CO.OH) 3 . Bei den aromatischen Säuren ist jedoch die gegenseitige Stellung derCarboxylgruppen: C O . 0 H, nach deren Anzahl die Basicität der Säuren über-haupt sich bemisst, von wesentlichem Einflüsse auf die Löslichkeit. Die Para-verhindungen sind weniger leicht löslich, als die entsprechenden Meta- undOrthoderivate [s. Phtalsäuren: C 6 H 4 (CO.OH) 2 ].
Von den einzelnen Gliedern homologer Reihen sind die Anfangsgliederstets leichter in Wasser löslich, als die kohlenstoffreicheren Endglieder. Solösen sich z.B. Ameisensäure: CH 2 0 2 , Essigsäure: C 2 H 4 0 2 , und Propionsäure:C 3 H 6 0 2 , in jedem Mengenverhältnisse in Wasser, schon schwieriger die Butter-säuren: C 4 H 8 0 2 , die Valeriansäuren: C 6 H 10 O 2 , die Capronsäuren: C 6 H 12 0 2 , etc.,