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Elementar-Handbuch der Pharmacie : mit Berücksichtigung der sämmtlichen deutschen Pharmacopöen und Medicinalordnungen
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Die Blatter.

steht fest, dass die eben bezeichnete Thätigkeit der bezeichneten Theiledes Stammes für die Entwickelung und Erhaltung der Pflanze nothwendigist. Wird diese theilweise gehindert, z. B. wenn man den Stamm nur zumTheil von der Rinde entblösst, so bemerkt man eine .wunderbare innereThätigkeit der Pflanze jenen Mangel zu ersetzen. Es geht zu diesemZwecke, und um der Vertrocknung der entblössten, der Luft und derSonne ausgesetzten Stellen vorzubeugen, eine Neubildung der Bedeckungs-schichten vor sieh. Unterbricht man aber jene Thätigkeit ganz, wiez. B. durch Abschälen grosser Rindenstücke und Entblössung grosser Flä-chen innerer Bast- und Splinttheile und veranlasst durch diese Entblössungund durch die unmittelbare Berührung mit dem Licht und der Luft derenAustrocknung in höherem Grade, als die Reproduktionskraft der Pflanzedies wieder gut machen kann, so stirbt die Pflanze ab. In dieser Bich-tung ist auch der Grund für die Verheerungen zu suchen, welche mehrereKäferlarven, zumal die des Borkenkäfers, in den Waldungen anrichten,weil sie in ungeheurer Anzahl eben jene jüngeren saftführenden Theiledurchbohren und entblössen.

Die Blätter.

Theile des Stammes sind die Blätter, folia. Während der Stammmeist cylinderförmig ist, erscheinen die Blätter in eine Fläche ausgedehnt.Die Blätter sind stets Seitenorgane. Sie unterstützen entweder einen Astoder eine Knospe.

Allgemeine Gestaltung der Blätter.

An dem Blatt in seiner vollkommenen Gestaltung lassen sich vierverschiedene Theile unterscheiden: die Blattscheide, vagina; derßlatt-stiel, petiolus; die Blattfläche, lamina und die Nerven, nervi.

Blattscheide, vagina. An dem Grunde des Blattes, dort wodasselbe mit dem Stamm in Verbindung steht, ist zuweilen, nicht immer,eine Erweiterung des Blattes vorhanden, vermöge deren das Blatt einiger-massen den Stamm umfasst. Diese Erweiterung ist die Blattscheide, vagina.

Blattstiel, petiolus. Den stielartigen Vermittelungstheil der Blatt-fläche mit dem Stamm bezeichnet man als Blattstiel, petiolus. Auch dieserfehlt häufig. Er ist der Träger des Blattes und entsteht dann, wenn dieGefässbündel des Stammes, ehe sie sich in der Blatlfläche verbreiten, ver-bunden bleiben.

Blattfläche, lamina folii. Die flächenartige Erweiterung desBlattes ist dessen Fläche, lamina. Sie ist derHauptthe.il des Blattes undbesteht aus drei Schichten: der Oberfläche, Mittelschicht und Unterfläche.Die Oberfläche des Blattes besteht nur aus Füllgewebe, Parenchym; in derMittelschicht befinden sich ausser Füllgewebe auch Gefässbündel und dieUnterfläche ist, wie die Oberfläche gebildet. Sie unterscheidet sich vonersterer nur durch die Lage. In beiden, vorzüglich in der Unterfläche sinddie Spaltöffnungen vorhanden. Der Bestandtheil der Blätter, welcher den-selben die grüne Farbe verleiht, das Chlorophyll, ist nur in der Mittel-schicht vorhanden.

Nerven, nervi. Von dem Blattstiel aus vertheilte sich in der Blatt-fläche ein Gezweig von Gefässbündeln, die zumeist sehr deutlich sich vonder Blattfläche abgrenzen, wie z. B. bei dem Eichenblatt; man bezeichnetsie als Nerven, nervi. Fehlt der Blattstiel, so geschieht die Ausbreitungder Nerven in der Blattfläehe unmittelbar von dem Stamme aus. Man theilt