Druckschrift 
Elementar-Handbuch der Pharmacie : mit Berücksichtigung der sämmtlichen deutschen Pharmacopöen und Medicinalordnungen
Entstehung
Seite
693
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

pm i

Balsame und Harze.

693

theerartige Flüssigkeit von widerlichem Geruch. Das spec. Gew. 0,99. Eslöst sich in der dreifachen Menge Weingeist. Es reagirt durch den aufgernommenen Ammoniakgehalt alkalisch.

Rectificirtes Thieröl. Oleum animale aethereum. Oleum animaleDippelü.

Aus dem rohen Thieröl wird durch wiederholte Destillation ein flüch-tiges ätherisches Oel gewonnen.

Darstellung. Rohes brenzliches Thieröl wird, um es möglichstvon den aufgenommenen Ammonverbindungen zu trennen, mit lauemWasser geschüttelt und aus einer Retorte bei gelindem Feuer destillirt, solange ein farbloses Oel übergeht. Dieses wird von Neuem mit Wasser auseiner andern Retorte bei gelinder Wärme übergezogen und das erhalteneDestillat in schwarz gefärbten kleinen Gläsern aufbewahrt.

Eigenschaften. Das erhaltene ätherische Oel ist frisch ganz farblosund dünnflüssig, wird aber bald gelblich und endlich braun. Es riecht höchstdurchdringend und eigenthümlich. Das spec. Gew. 0,75. Es reagirt alka-lisch. Von Weingeist wird es in jedem Verhältniss gelöst. Jod verwan-delt es schnell in eine weiche rothbraune, Chromsäure in eine schwarzepulvrige Masse.

Balsame und Harze.

Die ätherischen Oele zeigen, der Einwirkung des Lichtes und der Luftausgesetzt, alle dieselben Erscheinungen, sie werden dunklerund dick-flüssiger. Die Ursache dieser Erscheinungen ist die Bildung neuer Körper.Die Elemente der ätherischen Oele werden veranlasst in sauerstoffVeichereVerbindungen einzugehen. Dies geschieht nicht immer durch directe Sauer-stoffaufnahme, sondern auch dadurch, dass der hinzutretende Sauerstoffdem ätherischen Oele Wasserstoff entzieht und dasselbe dadurch re-lativ sauerstoffreicher macht. Derselbe Vorgang geht in der Pflanzeselbst mit, dem dort gebildeten ätherischen Oele vor sich. Man sagt voneiner solchen Erscheinung: das Oel verharzt; den entstandennen Körpernennt man ein Harz.

Die Harze sind von grosser Mannigfaltigkeit. Es sind Körper, die ausätherischen Oelen durch allmälige Einwirkung des Sauerstoffes gebildet werdenund daher auf den verschiedenen Stufen dieser Bildung von verschiedenenEigenschaften. Die Harze sind alle Gemenge mehrerer Oxydationsstufen desätherischen Oeles und auch zuweilen noch gemischt mit unzersetztem Oele.Dies letztere Gemisch nennt man Balsam. Die meisten Harze, die Weichharzeausgenommen, sind fest und spröde, lassen sich zerreiben und sind in die-sem Zustande nicht hygroscopisch. Sie sind nicht verflüchtigbar. In hohenTemperaturgraden zersetzen und entzünden sie sich "und brennen mit russen-der Flamme. Ihre Farbe ist in den meisten Fällen bedingt durch die bei ihrerGewinnung angewandte Temperatur. Ursprünglich sind sie farblos undbleiben es auch in dem Maasse als man sie möglichst ohne höhere Tem-peratur gewinnt.

Gegen chemische Agenlien verhalten sie sich sehr verschieden. MitAlkalien bilden einige von ihnen Seife. Von concentrirten Säuren werdensie in der Kälte ohne Entmischung gelöst. Schwefelsäure löst sie in derKälte ohne Entwickelung von schwefliger Säure, beim Erwärmen ent-wickelt sich diese. Wasser schlägt Harzschwefelsäure nieder.

Gegen Lösungsmittel veihalten sie sich grösstentheils gleich. Sie sind inWasser unlöslich, löslicher in Weingeist, leicht löslich in Aether, ätheri-schen und feiten Oelen.