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Elementar-Handbuch der Pharmacie : mit Berücksichtigung der sämmtlichen deutschen Pharmacopöen und Medicinalordnungen
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Aether.

Aethyloxyd.(C 4 H 5 )0 = AeO.

Synon. Aether. Aether sulphuricus. Naphta vitrioli. Aether.Schwefeläther.

Zusammensetzung. Aether hat man sich aus seinen elementarenStoffen, Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff so zusammengesetzt vorzustel-len , dass man sich 4 Aeq. Kohlenstoff und 5 Aeq. Wasserstoff zu einemorganischen Radical Aethyl C 4 H 5 Ae geeint, und dieses mit 1 Aeq.Sauerstoff als Aethyloxyd (C 4 H 5 )0 verbunden zu denken hat.

Darstellung. Weingeist hat die Zusammensetzung von C 4 H 6 0 2 .Analog der Theorie der Zusammensetzung des Aethers ist daher WeingeistAethyloxydhydrat (C 4 H 5 )O.HO. Eine in der Kälte bereitete Mischung vonWeingeist und Schwefelsäure Mixtura sulphurica acida nimmt nichtlange darauf einen eigenthümlichen Geruch und ein besonderes Verhaltengegen Reagentien an. Es zeigt sich in derselben sowohl der Weingeistals auch die Schwefelsäure eigenthümlich verändert. Der Weingeist ist alssolcher nicht mehr in der Mischung, er ist in Aethyloxyd und Wasserzerfallen und die Schwefelsäure ist mit Beiden eine Verbindung eingegangen,so zwar, dass man die Mischung als ein saures Salz, bestehend aus schwe-felsaurem Aethyloxyd und schwefelsaurem Wasser Ae. S0 3 + HO . S0 3 be-trachten kann. Aus dieser Verbindung ist Schwefelsäure durch die ge-wöhnlichen Reagentien nicht mehr abzuscheiden. Baryumoxydsalze undBleioxydsalze geben damit nicht die characteristischen Niederschläge wiedurch Schwefelsäure. Aethyloxyd verhält sich, den chemischen Agentiengegenüber, bei gewöhnlicher Temperatur als eine starke Base. Nichtso verhält sich Aethyloxyd in höheren Temperaturgraden. Hier ist eseine sehr schwache Base. In einer Temperatur von 140° C. wird aus derVerbindung des Aethyloxydes mit Schwefelsäure und des Wassers mit derSchwefelsäure das Aethyloxyd durch das Wasser abgeschieden und wasser-haltige Schwefelsäure bleibt zurück. Diese ist im Stande, mit neuen Quan-titäten Weingeist schwefelsaures Aethyloxyd und Wasser zu bilden undverliert aufs Neue das Aethyloxyd durch den Einfluss des Wassers undder Wärme. Der Process geht in unmittelbarer Aufeinanderfolge vor sich,wenn man ein Gemisch von Schwefelsäure und Weingeist bis zu 140° er-wärmt und in die kochende Flüssigkeit die entsprechende Menge Weingeisttröpfeln lässt.

Diese Procedur befolgt man auch bei der Bereitung des Aethers.Aether wird gegenwärtig fast nur in Fabriken dargestellt, lässt sich abermit leichter Mühe und gutem Erfolge in jedem pharmaeeutischen Labora-torium bereiten. Eine vorsichtig bereitete Mischung von 18 Theilen engl.Schwefelsäure und 10 Theilen Weingeist von 0,835 spec. Gew. wird ineine Retorte von 1 Fuss Durchmesser gegossen. Durch den Tubus derRetorte wird vermittelst eines Korkes eine in die Flüssigkeit ungefähr einenZoll hineinreichende Röhre befestigt und vermittelst eines Hahnes mit einemWeingeistbehälter in Verbindung gesetzt. Der Hals der Retorte steht miteinem Schlangenrohre eines Kühlapparates in Verbindung. Rehufs der Be-reitung bringt man die Flüssigkeit erst zum Kochen und lässt dann durchvorsichtige Regulirung aus dem Weingeistgefässe in demselben Verhältniss,als sich Aether bildet, Weingeist zufliessen. In 12 Stunden kann man aufdiese Weise 100 Pfund Weingeist verarbeiten. Vor Ueberhitzung kannman sich durch ein in die Flüssigkeit durch den Tubus der Retorte einge-senktes Thermometer schützen.