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Elementar-Handbuch der Pharmacie : mit Berücksichtigung der sämmtlichen deutschen Pharmacopöen und Medicinalordnungen
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380 Der Stoffwechsel und der Lebensprocess der Thiere und Pflanzen.

oder wegen Mangelhaftigkeit der Construction letzterer nicht hinreichend atmo-sphärische Luft zu, um die Kohle zu Kohlensäure zu oxydiren, so bildetsich Kohlenoxydgas. Ein gleiches geschieht, wenn Schwefel, Phosphor etc. mitnicht hinreichenden Mengen Sauerstoff zusammenkommen. Schweflige Säure,phosphorige Säure, Kohlenoxydgas nennt man die niederen oder unvoll-kommenen, Kohlensäure, Schwefelsäure, Phosphorsäure die höherenoder vollkommenen Oxydationsproducte oder auch Oxydationsstufen.Nicht immer geschieht die Oxydation durch den in der Atmosphäre befind-lichen Sauerstoff. Auch Verbindungen, welche selbst Sauerstoff enthalten,können durch die Entmischung der eigenen Bestandtheile, durch ihre theil-weise oder vollständige Zersetzung die Sauerstoffquellen für die Oxydationanderer Körper werden. Besonders häufig dient zu diesem Behufe dieSalpetersäure und das Wasser.

Desoxydation. Wird ein mit Sauerstoff verbundener Körper, alsoein Oxyd im weiteren Sinne, seines Sauerstoffes beraubt, so nennt manden Vorgang eine Desoxydation. Auf Desoxydation beruht vorzugsweisedie Ausbringung der Metalle. Erze sind mit Ausnahme der Schwefelver-bindungen der Metalle und der Metallverbindungen unter einander, Oxydeder Metalle, z. B. Brauneisenstein, Malachit, Zinnstein etc. Die Herstel-lung von Metallen beruht wesentlich darauf, dass den Erzen, ausser dassdie Gangart und andere fremdartige Verbindungen von ihnen getrennt wer-deu, durch Desoxydation der Sauerstoff entzogen wird.

Der Stoffwechsel in dem L ebenspr oces se derThiere undPflanzen. Den am tiefsten eingreifenden Einfluss übt Sauerstoff auf den Le-bensprocess der Thiere und Pflanzen. Der Lebensprocess der Pflanze be-ginnt damit, dass beim Keimen aus den in dem Saamen niedergelegten Nah-rungsstoffen, sodann aus den im Boden und der atmosphärischen Luft her-antretenden Wasser (Wasserstoff und Sauerstoff), aus Kohlensäure (Kohlen-stoff und Sauerstoff) und aus Ammoniak (Wasserstoff und Stickstoff), dieKohlenwasserstoffverbindungen und Stickstoffverbindungen der Pflanzen erzeugtwerden. Aus einem Theile derselben bildet die Pflanze ihre Organe und la-gert in diesen Organen ihre anderweiten Bildungsproducte ab. Dabei hauchtdie Pflanze aus kleinen Oeffnungen der Blättchen, den Spaltöffnungen, Sauer-stoff aus.

Von dieser Ausscheidung des Sauerstoffes kann man sich durch einenVersuch überzeugen. Man stopft in einen Glastrichter Fig. 195, mit wei-tem Rohre, frisch geflückte Blätter dicke saftreiche Blät-ter eignen sich hierzu besonders schliesst die Mündungdes Rohres mit einem durchbohrten etwas hinausragendenKorke, in diesen befestigt man ein kurzes Glasrohr undstülpt auf das hinausragende Korkende und über das Glas-rohr eine Flasche. Hierauf füllt man den Apparat mitWasser, und bringt ihn umgekehrt unter die Oberfläche vonWasser. Nach kurzer Zeit, besonders wenn der Appa-rat in der Sonne steht, hemerkt man das Aufsteigen vonLuftblasen, die sich in der Flasche sammeln und als Sauerstoffgas er-kannt werden können.

Die Zellensubstanz, das Holz, die Blätter, Stengel, Wurzel der Pflanzebestehen zum grössten Theil aus Kohlenwasserstoffverbindungen. Zucker,Stärke, Schleim, ätherische und fette Oele etc. sind gleichfalls Kohlenwasser-stoffverbindungen. Stickstoffverbindungen sind das Eiweiss, der Kleber etc.Der Lebensprocess der Thiere besteht darin, dass die in den Magengelangenden Nahrungsmittel (Kohlenwasserstoff- und Stickstoffverbindungen)zu Lymphe und in den Lymphgefässen zu Venenblut vorbereitet werden.

Fig. 195.