Druckschrift 
Elementar-Handbuch der Pharmacie : mit Berücksichtigung der sämmtlichen deutschen Pharmacopöen und Medicinalordnungen
Entstehung
Seite
347
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Luftelektrizität.

347

maschinen construirt, in welchen sich Wasserdampf an Holz oder Metallreibt.

Die Wirkung der Elektrisirmaschine besieht im Wesentlichen in derErzeugung grösserer Mengen von Elektrizität. Die Erklärung dafür ergiebtsich aus der grossen geriebenen Fläche und der Stärke der Reibung. Na-türlich sind auch die elektrischen Erscheinungen, die man dabei beobach-tet , mächtiger. Bei der Umdrehung im Dunkeln sieht man um Reibzeugund Conductor einen leuchtenden Ring, aus welchem häufige helle Fun-ken aufsprühen, welche ein knisterndes Geräusch verursachen. Man be-merkt deutlich den eigenthümlichen Geruch nach Ozon. Leitet man denFunken des Conductors in die Hand, so empfindet man durch das Ueber-springen des Funkens schon einen ziemliche Erschütterung. Auf der Zungeerregt der Funke einen eigenthümlichen Geschmack. Steht man auf demIsolirschemel mit dem Conductor in Verbindung, so wird der menschlicheKörper gleichfalls zum Conductor, die Haare sträuben sich, denn sie wer-den zu Elektrometern und stossen sich ab; allen Theile des Körpers kannman dann Funken entziehen. Die Lichtenbergischen Figuren ent-stehen dadurch, dass man einen elektrischen Funken auf eine Harzplatteschlagen lässt, die mit Pulver von Mennige oder Schwefelblumen be-streut ist. Die negative Elektrizität drückt sich als ein Kreis, die posi-tive als ein strahlenförmiger Stern aus. Auch die Farbe des elektrischenFunkens kann man beobachten, dieselbe ist hell weiss im lufterfülltenRäume, röthlichgelb im luftleeren Räume. Der elektrische Funke entzün-det Aether, Knallsilber, Schiesspulver, Knallgas u. s. w. Mannigfache Spie-lereien , z. B. das elektrische Flugrad, das elektrische Glockenspiel, derKorkkugeltanz erklären sich von selbst.

Die Elektrisirmaschine wird zur Ladung der Kleist'schen Flasche benutzt.

Luftelektrizität. Wie Elektrizität frei wird, wenn Wasserdampfsieh an Holz oder Metall reibt, so wird auch Elektrizität hervorgerufen,wenn Wasserdampf sich an Wasserdampf reibt. Dies geht ununterbro-chen in der atmosphärischen Luft vor sich. Dieselbe enthält zu allen Jah-res- und Tageszeiten Wasserdampf. Verliert derselbe Wärme, so tritt erin Form von Dunstbläschen als sichtbarer Wasserdampf auf; bei nochgrösserer Abgabe von Wärme geht die Verdichtung der Dunstbläschen zuWassertröpfchen vor sich. Je nach der Menge und Näherung dieser Dunst-bläschen und Wassertröpfchen findet durch dieselben eine gegenseitigeReibung statt, durch welche stetig Elektrizität hervorgerufen wird. DieseElektrizität wird durch die Wasserdämpfe der Atmosphäre aufgenommenund verbreitet sich in dieser. Es ist dies die Ursache, dass die Luft stetsElektrizität enthält und dass sie abwechselnd grössere und kleinere Mengeenthält.

Wird durch anhaltende Wärme viel Wasserdampf in die Atmosphäre auf-genommen, welchen Zustand derselben wir durch schwül, drückend bezeich-nen, und erfahren die oberen Regionen plötzliche Abkühlung, so werden grosseMengen Wasserdampf ausgeschieden, es bilden sieh rasch dichte Massen ausge-schiedener mit Elektrizität geschwängerter Dunstbläschen, die Gewitterwolken.Von ihrer Dichte haben diese die dunkle Farbe und die scharfen Umrisse, vondem elektrischen Leuchten die gelben Ränder. In dieser dichten zusammenge-häuften Dunstbläschenmasse ist die Reibung derselben unter sieh sehr bedeutend,die hervorgerufene Elektrizitätsmenge sehr gross, und auf enge Räume be-schränkt. Die angehäufte Elektrizität entladet sich endlich in mächtigen Funken,von Wolke zu Wolke, oder von Wolke zur Erde. Der oft meilenlange Funkeist der Blitz, das Zusammenschlagen der vom Blitze durchbrochenen Luft-schichten, das verstärkte Knistern des elektrischen Funkens, ist der Don-