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1. Anorganische Chemie 1. Abt. (1906) Metalloide
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Zinnchlorür.

I

Zinn Drehspänen oder granuliertem') Zinn in Salzsäure unter An-wendung von Wärme. 1 Tl. Zinn ist zu diesem Zwecke in einem mit Trichterzu "bedeckenden Kolben mit 4 Tln. Salzsäure von 25 Proz., der wenige TropfenPlatinchloridlösung zugefügt sind, zunächst im Wasserbade, dann auf demSandbade zu erhitzen. Läßt die Einwirkung der Salzsäure nach, so läßtman absetzen, gießt die Lösung klar ab, filtriert den Rest nötigenfalls durchAsbest und dampft zur Kristallisation ein. Die ausgeschiedenen Kristalleläßt man auf einem mit Glasstab lose verschlossenen Trichter vollständigabtropfen, preßt sie zwischen porösen Steinen oder Tonplatten und trocknetsie bei gewöhnlicher Temperatur:

Sn 4- 2 HCl SnCl 2 -f 2H.

Im großen bedient man sich hierzu kupferner Kessel, welche bei einemÜberschuß von Zinn nicht angegriffen werden (Bucholz, 17701818),

Eigenschaften. Das kristallisierte Zinnchlorür bildet farblose, mono-kline Prismen von saurer Reaktion. Vorsichtig auf 100° erhitzt, verliert essein Kristallwasser und verwandelt sich in eine weiße, kristallinische Masse,welche bei 250° schmilzt und bei 606° fast ohne Zersetzung destilliert. Insalzsäurehaltigem Wasser und in Alkohol ist das Zinnchlorür leicht löslich.Durch viel Wasser wird es jedoch unter Bildung eines basischen Chloridszersetzt. Salzsäurezusatz verhindert diese Zersetzung. Auch beim Auf-bewahren an der Luft erleidet das Zinnchlorür eine Veränderung, indem esSauerstoff aufnimmt und sich in Zinnchlorid und in ein in Wasser unlös-liches weißes Oxychlorür verwandelt:

3SnCl' 2 +0 = SnCl 4 + Sn ! 001 s .Das Zinnchlorür ist ein kräftiges Reduktionsmittel; dieser Eigenschaftverdankt es seine Anwendung als Reagens auf Quecksilber, Arsen usw., sowieseine Verwendung zum Desoxydieren in der Färberei. Auch als Beizmittelfindet dasselbe in der Cochenille- und Krappfärberei ausgedehnte Anwendung.Mit den Chloriden der Alkalimetalle und der alkalischen Erdmetalle vereinigtsich das Zinnchlorür zu gut kristallisierenden Doppelsalzen, z. B.: SnCl 2+ 2KC1-|-H' 2 0; SnCl 2 -r-2NH 4 Cl + H' 2 0; SnCl 2 + BaCl 2 + 4H 2 0.

Prüfung. Die gute Beschaffenheit des Zinnchlorürs ergibt sich teil-weise schon durch das Äußere: die vollständig wasserhelle Farbe und dasFehlen jedes milchigen Ansehens.

Als weiteres Kennzeichen der Reinheit dient die vollständige Löslichkeitin Wasser und in Alkohol nach Zusatz einiger Tropfen Salzsäure; die Ab-wesenheit schwefelsaurer Salze Prüfung der salzsauren, wässerigen Lösungmit Chlorbaryum, sowie das Fehlen grober Verfälschungen, wie Chlor-natrium, Sfatriumsulfat, Magnesiumsulfat, Zinksulfat usw. Das Vorhandenseinletzterer Verunreinigungen erkennt man entweder auf die Weise, daß mandas Zinn aus der salzsauren, wässerigen Lösung durch Schwefelwasserstoffausfällt und das Filtrat dann eindampft, wobei kein oder doch nur ein ganzverschwindend kleiner Rückstand verbleiben darf, oder daß man 2g Zinn-chlorür in einem Becherglase mit 10 g absolutem Alkohol übergießt undeinige Tropfen Salzsäure zugibt. Nach Verlauf von fünf Minuten muß einevollständig klare Lösung resultieren, vorausgesetzt, daß man während dieserZeit die Mischung häufig umgerührt hat.

l ) Man halte eine Zinnstange in die flamme eines Bunsenbrenners und lassedie Tropfen des geschmolzenen Zinns in kaltes Wasser fallen oder gieße geschmolzenesZinn in einem dünnen Strahle unter Umrühren in kaltes Wasser.