■
Darstellung des Kermes.
435
nissen bestehende Präparat wurde schon von Glauber 1658 bereitet. Lemerybeschrieb 1702 die Darstellung desselben eingehender, bis schließlich imJahre 1720 das Geheimnis der Bereitung von dem Arzt La Ligerie unddem Karthäusermönch Simon an die französische Eegierung für eine an.sehnliche Summe verkauft wurde, welche alsdann die Darstellungsweise all-gemein bekannt machte.
Darstellung: 1 Tl. fein gepulverten Schwefelantimons werde mit derLösung von 25 Tln. rohen, kristallisierten Natriumcarbonats in 250 Tln.Wasser in einem eisernen Kessel, unter Ersatz des verdampfenden Wassers,zwei Stunden lang {Pharm, germ., Ed. I) gekocht und die Flüssigkeit kochendheiß in ein Gefäß mit wenig heißem W r asser filtriert. Beim Erkalten scheidetsich ein rotbrauner Niederschlag ab, welcher bis zur vollständigen Abkühlungvon Zeit zu Zeit, behufs Abscheidung von Natriumpyroantimoniat kräftigumzurühren ist. Hierauf ist der Niederschlag auf einem Filter zu sammeln,bis zur vollständig neutralen Reaktion auszuwaschen, zwischen Fließ-papier zu pressen und an einem dunkeln, mäßig warmen Orte (25°) zutrocknen.
Die Bildung des Kermes erklärt sich in folgender Weise: Durch einenTeil des Natriumcarbonats wird das Schwefelantimon unter Bildung vonSchwefelnatrium: Na*S, und Entwickelung von Kohlensäureanhydrid: CO 8 ,teilweise in Antimonoxyd: Sb 2 0 3 , verwandelt:
Sb 2 S 3 -f- 3Na 2 C0 3 = Sb 2 0 3 + 3Na 2 S -+- 3C0 2 .
Das gebildete Antimonoxyd ist in dem vorhandenen überschüssigenNatriumcarbonat in der Siedehitze löslich, während das gleichzeitig gebildeteSchwefelnatrium sich mit unverändertem Schwefelantimon zu metasulfanti-monigsaurem Natrium (Natriummetasulf antimonit): NaSbS 2 , vereinigt:
Sb 2 S 3 -1- Na s S = 2NaSbS 2 ,welches in der Siedehitze Schwefelantimon zu lösen vermag. Da jedochdas Schwefelantimon in diesen Lösungsmitteln in der Wärme ungleich mehrlöslich ist als in der Kälte, so scheidet sich beim Erkalten der Lösung zu-nächst reines, amorphes Schwefelantimon aus. Die Abscheidung des Natrium-pyroantimoniats vollzieht sich viel langsamer als die des roten Schwefel-antimons, und zwar erst dann, wenn durch häufiges Umrühren für genügen-den Luftzutritt gesorgt wird; sie dauert auch in der vollkommen erkaltetenFlüssigkeit noch fort. Es wird somit der entstandene Kermes um so reicheran Natriumpyroantimoniat sein, je länger der Niederschlag und die Flüssig-keit mit der Luft in Berührung bleiben. Vielleicht ist die reichliche Ab-scheidung "von amorphem, rotem Schwefelantimon auch teilweise auf eineZersetzung des in der Wärme gebildeten metasulfantimonigsauren Natriums:NaSbS 2 , zurückzuführen:
3NaSbS 2 = Na 3 SbS 3 + Sb 2 S 3 .
An Stelle des Natriumcarbonats kann auch eine entsprechende Mengevon Kaliumcarbonat zur Verwendung kommen; auch ist bei feiner Ver-teilung des angewendeten Schwefelantimons schon eine viel kürzere Zeit desKochens zur Bildung des Kermes ausreichend. Wird die Natrium carbonat-lösung nur einmal in obiger Weise zum Kochen mit Schwefelantimon ver-wendet , so resultiert ein Kermes, welcher verhältnismäßig wenig Natrium-pyroantimoniat enthält. Der Gehalt an letzterem ist um so größer, je öfterman die Lauge wieder zum Auskochen des gebliebenen Bückstandes ver-wendet und je mehr man durch Umrühren der erkaltenden Lösung fürLuftzutritt Sorge trägt. Die Entstehung des Natriumpyroantimoniats ist auffolgende Gleichungen zurückzuführen;
28*