Wasserstoffsuperoxyd.
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Künstliche Mineralwässer. Unter künstlichen Mineralwässern ver-steht man nach der Reichs Verordnung vom Jahre 1880 nicht nur Nach-bildungen bestimmter, in der Natur vorkommender Mineralwässer, sondernauch andere künstlich hergestellte Lösungen mineralischer Stoffe in Wasser,welche sich in ihrer äußeren Beschaffenheit als Mineralwässer darstellen,ohne in ihrer chemischen Zusammensetzung einem Mineralwasser zu ent-sprechen. Auf Lösungen mineralischer Stoffe letzterer Art, welche Substanzenenthalten, die in Tab. B. und C. der Pharmac. germ. Ed. IV aufgeführt sind,findet obige Bestimmung keine Anwendung.
Prüfung. Die künstlichen Mineralwässer seien vollständig klar undfarblos, sowie frei von jedem fremdartigen Geruch. Der Abdampfrückstandentspreche sowohl in Quantität, als auch in Qualität möglichst dem desnatürlichen Mineralwassers, als dessen Nachbildung das künstliche geltensoll. Das zu prüfende Wasser sei frei von Blei, Kupfer und Arsen.
Da das künstliche Selters- und Sodawasser unter Anwendung vondestilliertem Wasser oder doch nur von sehr reinem Brunnenwasser bereitetwerden soll, so müssen dieselben außer obigen Anforderungen auch denengenügen, die man an ein gutes Trinkwasser bezüglich des Gehalts an Am-moniak, salpetriger Säure, Schwefelwasserstoff, leimartiger Substanz, Salpeter-säure, organischer Substanz, Chlor, Kalk und Schwefelsäure zu stellen pflegt(siehe Trinkwasser).
Wasserstoffsuperoxyd: H 2 0 2 .
Molekulargewicht: 34 (33,76 H= 1; 34,016 0 = 16).(In 100 Tln., H : 5,90, 0:94,10.)
Vorkommen. Das von Thenard (1774bis 1857) im Jahre 1818entdeckte Wasserstoffsuperoxyd oder Wasserstoffdioxyd findet sich inkleinen Mengen in der Atmosphäre und infolgedessen auch in denatmosphärischen Niederschlägen, Regen und Schnee (0,04 bis 1 mg imLiter), nicht dagegen im natürlichen Tau und Reif. Nach C. Wursterund nach A. Bach soll Wasserstoffsuperoxyd in geringer Menge auchim Schweiß, im Speichel, in tierischen Sekreten und Geweben, sowie imMilchsaft einiger Pflanzen vorkommen (?). Vielleicht handelt es sichhierbei nur um Enzyme aus der Gruppe der Oxydasen.
Bi 1 djing und Darstellung. Das Wasserstoffsuperoxyd entsteht inkleiner Menge neben Ozon bei einer Reihe von Oxydationsprozessen, besondersAütoxydationen (s.S. 130), welche sich bei Gegenwart von Wasser vollziehen,so z. B. wenn Phosphor oder fein verteiltes Zink, Cadmium oder Blei mitLuft und Wasser in Berührung sind, wenn in Atherdampf bei Gegenwartvon Wasser eine glühende Platinspirale eingesenkt wird, wenn Terpentinöloder andere ätherische Öle bei Gegenwart von Wasser und Licht sich langsamoxydieren. Wasserstoffsuperoxyd wird ferner gebildet bei der Elektrolysedes Wassers, beim Schütteln von Palladiumwasserstoff (s. S. 123) mit Wasserund Luft, bei der Oxydation, welche Pj'rogallussäure, Gerbsäure und andereorganische Stoffe an feuchter Luft erleiden, beim raschen Abkühlen einerWasserstoff- oder Kohlenoxydflamme, bei der Oxydation von Ammoniak durchOzon (s. Luft), bei der Einwirkung von Ozon auf wässerige Jodkalium-lösung usw. Diese Bildungen von Wasserstoffsuperoxyd sind zum Teil daraufzurückzuführen, daß bei den Oxydationsprozessen Sauerstoffmoleküle in Sauer-stoffatome gespalten werden, die dann unter Bildung von leicht zersetzlichen,sauerstoffreichen Zwischenprodukten, vielleicht auch im statu nascendi, WasserSchmidt, Pharmazeutische Chemie. I. i o