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1. Anorganische Chemie 1. Abt. (1906) Metalloide
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Eigenschaften des Ozons.

berg). Kommen jene Öle in diesem Znstande mit anderen leicht oxydier-baren Stoffen in Berührung, so geben diese Terpensuperoxyde Sauerstoff imozonisierten Zustande an dieselben ab und rufen dadurch die für das Ozoncharakteristischen Erscheinungen hervor. Ähnlich wie die ätherischen Ölewirken fein verteilte edle Metalle, z. B. das Gold, das Platin (vgl. S. 58).Die ätherischen Öle und andere organische Stoffe, welche die Fähigkeitbesitzen, Sauerstoff zu übertragen, bezeichnete man früher als Ozonträger,da dieselben sich scheinbar unter geeigneten Bedingungen mit Sauerstoffbeladen, denselben hierdurch ozonisieren, ohne sich damit, wie man irrtüm-lich annahm, zu verbinden.

Eigenschaften. Das Ozon ist ein farbloses, in dicker Schichtbläulich gefärbtes ] ) Gas von eigentümlichem, phosphorartigem Geruch,welches im ganz verdünnten Zustande erfrischend, im weniger ver-dünnten, namentlich bei längerem Einatmen, stark reizend auf dieRespirationsorgane wirkt. Von dem gewöhnlichen Sauerstoff unter-scheidet sich das Ozon ferner durch seine energische Oxydationswirkung,vermöge deren es schon bei gewöhnlicher Temperatur auf alle mitSauerstoff verbindbaren Stoffe einwirkt und dieselben in die höchstenOxydationsstufen überführt. So wird z. B. Phosphor zu Phosphor-pentoxyd; Schwefel, Schwefelwasserstoff, Schwefligsäureanhydrid zuSchwefelsäure; Schwefelblei zu Bleisulfat; Manganoxyclul zu Mangan-superoxyd; Ammoniak zu Ammoniumnitrit, Ammoniumnitrat undWasserstoffsuperoxyd oxydiert. Metalle, welche durch gewöhnlichenSauerstoff nicht verändert werden, wie Silber, Quecksilber, überziehensich in einer feuchten Ozonatmosphäre mit einer Superoxyd- bzw. Oxyd-schicht. Manganoxydulsalze werden in Mangansuperoxyd verwandelt;Manganchlorürpapier wird daher gebräunt. Pflanzenfarben — Lack-mus, Indigo — werden gebleicht; Miasmen und Fäulniskeime zerstört;alkoholische Guajakharzlösung durch Oxydation gebläut, sowie Jod-kaliumlösung in Kaliumhydroxyd und freies Jod zerlegt:

O 3 + 2KJ 4- H 2 0 = O 2 -f 2KOH -f J 2Ozon Jodkalium Wasser Sauerstoff Kaliumhydroxyd Jod.

Rotes, stärkefreies Lackmuspapier, mit Jodkaliumlösung befeuchtet,wird daher durch Ozon infolge der Bildung von Kaliumhydroxyd gebläut;zum Unterschiede von Chlor, Eisenchlorid und salpetrigerSäure, w r elche Jodkaliumstärkekleister ebenfalls bläuen, jedoch keinealkalische Reaktion verursachen. Jodkaliumlösung, der eine kleineMenge Rosolsäurelösung zugefügt ist, wird gerötet; auch Phenolphtalei'n-lösung wird unter diesen Bedingungen vorübergehend rot gefärbt. Das

') Hautefeuille und Chappuis beobachteten (1880), daß, wenn man denbei — 23° ozonisierten Sauerstoff mit viel Kohlensäureanhydrid mischt und alsdanndas Gas verdichtet, eine blaue Flüssigkeit resultiert, auf der sich ein blau gefärbtesGas befindet. Befreit man diese Flüssigkeit etwas von dem darauf lastenden Druckeund komprimiert sie hierauf sofort wieder, so zeigt sich abermals eine tief blaueFlüssigkeit. Das flüssige Ozon dürfte somit ein tief blau gefärbtes Liquidum sein.Der Siedepunkt des flüssigen Ozons liegt nach Olszewski annähernd bei —106°C,nach Ladenburg bei —125° C. Das flüssige Ozon ist sehr explosibel.