Druckschrift 
1. Anorganische Chemie 1. Abt. (1906) Metalloide
Entstehung
Seite
3
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Einleitung,

3

der Vegetation und der Tierwelt regelmäßig in der Natur vollzieht,alle diese Erscheinungen finden nur eine Erklärung durch die Chemie.Mit dem Aufschwünge der Chemie steht das Emporblühen eines be-trächtlichen Teiles der Gewerbe und der Industrie in unmittelbarsterBeziehung, mit ihrer Entfaltung erhielten Pharmazie, Technik, Land-wirtschaft usw. eine wichtige, unentbehrliche Stütze.

Bei einer derartigen Ausdehnung und Vielseitigkeit des chemischenGebietes mußte sich naturgemäß die Notwendigkeit einer Teilung des-selben, je nach den Zwecken, die bei dem Studium der stofflichen Ver-änderungen der Materie verfolgt werden, fühlbar machen. Man unter-scheidet daher zunächst zwischen allgemeiner oder theoretischerChemie und zwischen praktischer oder angewandter Chemie.Während erstere das Gesamtgebiet des chemischen Wissens umfaßt,die Eigenschaften der Stoffe und das Verhalten derselben gegenein-ander erörtert und auf Gesetze zurückzuführen sucht, ohne jedoch dabeiRücksicht zu nehmen auf die Anwendung der hierbei erzielten Resultate,ist es gerade die Aufgabe der praktischen oder angewandten Chemie,diese theoretischen Forschungen auf anderen Gebieten praktisch zu ver-werten. Je nach der Art des wissenschaftlichen oder praktischen Ge-bietes, auf welchem die Chemie zur Anwendung gelangt, zerfällt diepraktische oder angewandte Chemie weiter in physiologische Chemie,wenn sie sich mit dem Studium der chemischen Vorgänge im Organis-mus des Tieres oder der Pflanze beschäftigt; in Agrikulturchemie,in Nahrungsmittelchemie, in mineralogische, analytische,technische, pharmazeutische Chemie, je nachdem sie eine An-wendung als Hilfswissenschaft auf dem Gebiete der Landwirtschaft, zurPrüfung der Nahrungs- und Genußmittel, in der Mineralogie, der Ana-lyse, der Technik oder der Pharmazie findet.

Als ein Teil der theoretischen Chemie ist die auf den Grenz-gebieten zwischen Physik und Chemie sich bewegende physikalischeChemie zu betrachten, deren Forschungen in der Neuzeit besondersfruchtbringend zur Erklärung chemischer Vorgänge gewirkt haben.Die nicht minder wichtige Elektrochemie, welche sich besonders mitden durch den elektrischen Strom bewirkten chemischen Umwandlungenbeschäftigt, bildet sowohl einen Teil der theoretischen, als auch derpraktischen Chemie.

Unter pharmazeutischer Chemie, die den speziellen Gegen-stand des vorliegenden Buches bilden soll, ist die Chemie in ihrerAnwendung auf dem Gebiete der Pharmazie zu verstehen, deren Auf-gabe es somit sein wird, die Stoffe, welche entweder direkt oder in-direkt eine Anwendung zu Heilzwecken finden, in ihren Eigenschaftenund ihrem Verhalten näher zu charakterisieren, sowie die Darstellungs-und Prüfungsmethoden derselben einer eingehenderen Besprechung zuunterwerfen. Wenn ferner hierbei zwischen einem anorganischenund einem organischen Teile der Chemie unterschieden wird, so isteine derartige Teilung eine ziemlich willkürliche, die jedoch im Inter-

1*