Druckschrift 
Die chemischen Heilmittel und Gifte oder praktische Anleitung zur Erkennung und Prüfung ihrer Eigenschaften mit steter Berücksichtigung der preussischen Pharmakopoe : für Aerzte, Physiker und Apotheker, in alphabetischer Ordnung entworfen
Entstehung
Seite
297
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

297

sich schnell oxydiren, ohne die Kohle zu beschlagen oder einen knob-lauchartigen Geruch zu entwickeln. — Wenn die Substanz, welche aufZinn geprüft werden soll, durch organische Stoife dunkel gefärbt oderverdickt ist, so muss man sie einer vorbereitenden Behandlung mitder desorganisirenden Mischung aus chlorsaurem Kali und verdünnterSalzsäure unterwerfen, wie in der Einl. §3 C. 5 und ff. angegeben,und die erhaltene klare Lösung dann mit Schwefelwasserstoffgas be-handeln.

§ 431. Technisch angewandte Zinnpräparate. Von denZinnverbindungen werden mehrere in der Technik angewandt, undzwar sind darunter einige, welche sich als energische Zerstörungsmit-tel des thierischen Organismus charakterisiren, daher bei ihrem Vor-kommen in vielen Werkstätten leicht Veranlassungen zu Vergiftungen,und hieraus folgenden gerichtlich-chemischen Untersuchungen gebenkönnen. Zu diesen technischen Zinnpräparaten gehören:

1. Das Zinnoxyd selbst, welches unter dem Namen Zinn-asche, Cinis Jovis, im Handel vorkommt, und zum Poliren und zurDarstellung des weissen Email angewandt wird. Es ist ein graulich-weisses, schweres Pulver, unschmelzbar, in Wasser und Säuren un-löslich, und kann, wie überhaupt alle ähnlichen Zinnverbindungen,daran erkannt werden, dass es beim Erhitzen mit Soda auf der Kohlein der innern Löthrohrflamme Metallkörner liefert, welche sich unterdem Hammer abplatten, und für sich erhitzt sich leicht oxydiren,ohne die Kohle zu beschlagen. Das Zinnoxyd ist in Folge seinerUnlöslichkeit zwar ohne Wirkung auf den Organismus, doch ist esnicht selten "mit Bleioxyd vermengt und besitzt dann die giftigen Ei-genschaften dieses letztern. Bleihaltiges Zinnoxyd wird als solchesleicht vor dem Löthrohre erkannt; mit Soda auf der Kohle in derinnern Löthrohrflamme erhitzt; liefert es nämlich Metallkörner, wel-che eine Legirung beider Metalle sind, und die Kohle überzieht sichum die Probe herum mit einem gelben Anflug.

2. Zinnsalz. Unter diesem Namen kommt sowobl schwefel-saures, als auch salzsaures Zinnoxydul (Zinnchloriir), Behufs der Fär-berei im Handel vor. Es sind weisse, mehr oder weniger kleine, spies-sige Krystalle von herbem, metallischen, widrigen Geschmack, ohneGeruch, in Wasser zu einer sauer reagirenden, weisslichtrüben Flüs-sigkeit auflöslich, welche durch einen Zusatz von Salzsäure wasser-hell wird. Reine und kohlensaure Alkalien bringen in dieser letzte-ren weisse Niederschläge hervor, Schwefelwasserstoff einen schwarzenoder braunen, welcher sich in Schwefelammonium auflöst. Goldauf-lösung verursacht einen braunen, bei grosser Verdünnung purpurfar-benen Niederschlag oder ähnliche Färbung.

3. Zinnbeizen. Diese sind Auflösungen von schwefelsauremoder salzsaurem Zinnoxydul oder Zinnoxyd (Zinnchlorid, Chlorzinnim maximo des Chlorgehaltes) mit vorwaltender Säure. Gegen Rea-gentien verhalten sie sich wie das vorerwähnte Zinnsalz, ausgenom-men, dass das Zinnchlorid durch Schwefelwasserstoff gelb, und durchGoldlösung gar nicht gefällt wird. — Sowohl die flüssige Zinnbeize,als auch das Zinnsalz wirken innerlich genommen ätzend und giftig.Milch, in grosser Menge genossen, ist das beste Gegenmittel.

■

: