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Die chemischen Heilmittel und Gifte oder praktische Anleitung zur Erkennung und Prüfung ihrer Eigenschaften mit steter Berücksichtigung der preussischen Pharmakopoe : für Aerzte, Physiker und Apotheker, in alphabetischer Ordnung entworfen
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Morphium snlfiiricum.

(Sulfas morphicus.)Sulfate de Morphine. Schwefelsaures Morphin.

§ 3Ö3. Schwefelsaures Morphin. Durch Auflösen vonMorphin in verdünnter Schwefelsäure und langsames Verdunsten derneutralen Flüssigkeit. Es ist äusserlich dem essigsauren Morphinsehr ähnlich, jedoch vollkommen geruchlos, besteht in 100 Theilenaus 75,38 Morphin, 10,33 Schwefelsäure und 14,29 Wasser, ist iWasser und Weingeist, nicht in Aether löslich, und übrigens durchdas den Morphinsalzen im Allgemeinen eigentümliche chemischeVerhalten (§ 349) charakterisirt.

§ 354. Erkennung. Man erkennt das schwefelsaure Morphinals solches an den das Morphin und die Schwefelsäure charakterisj.renden Reactionen. Die Reinheit desselben ergiebt sich:

Prüfung, a. aus der vollständigen Zerstörung beim Erhitzenauf Platinblech über der Weingeistlampe;

b. aus der vollständigen Auflöslichkeit in Wasser, Weingeist undAetzkaliflüssigkeit, ohne dass bei Anwendung des letzteren Lösungs-mittels die Entwickelung eines ammoniakalischen Geruches bemerk.bar werde;

c. aus dem KlarbJeiben der mit Salzsäure versetzten Auflösungbeim Zumischen von Gallustinctur.

STarcotinnm.

(Sul Derosnense.)

Narcotine. Narkotin. Oj)ian.

§ 355. ]VarJkofin. Das Narkotin ist derjenige von den imOpium enthaltenen organischen Grundstoffen, welcher lange Zeit, he.vor seine unterscheidenden Eigenschaften genau ermittelt worden, demim Handel und in den Officinen vorkommenden Morphin beigemengiwar, und zu den so sehr abweichenden Resultaten über die ther*peutische Wirkung dieses letzteren Veranlassung gegeben hat, indemes, nach Orf ila, an und für sich vom Menschen in jeder Form undin grossen Dosen ohne alle üble Folgen genommen werden kann.Beim Ausziehen des Opiums mit kaltem Wasser, bleibt das Narkotinzum grössten Theile in dem Rückstande zurück, und kann darausdurch Behandlung mit siedendheissem Weingeiste ausgezogen unddurch Verdunsten des geistigen Auszuges krystallisirt erhalten wer-den; es mangelt folglich in dem wässerigen Opiumextracte. Es bil-det färb-, geruch- und geschmacklose, nadeiförmige Krjstalle, oderauch perlmutterglänzende Schuppen, ist in Wasser und Auflösungenvon Aetzalkalien unlöslich, löslich in Weingeist und Aether. Es wirddurch Eisenoxydlösung nicht gebläuet, auch durch concentrirte Salpe-tersäure nicht geröthet, sondern nur blassgelb gefärbt; Jodsäure wirdnicht davon zersetzt. Verdünnte Säuren lösen das Narkotin auf, dochohne davon neutralisirt zu werden, die Auflösung schmeckt bitter undwird, auch bei stark vorwaltender Säure, durch Gallustinctur getrübt.