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Die chemischen Heilmittel und Gifte oder praktische Anleitung zur Erkennung und Prüfung ihrer Eigenschaften mit steter Berücksichtigung der preussischen Pharmakopoe : für Aerzte, Physiker und Apotheker, in alphabetischer Ordnung entworfen
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§ S35. Erkennung und Prüfung. Man erkennt den weis-sen Präcipitat als solchen beim Erhitzen mit trockener Soda in derGlasröhre, wo sich zuerst ammoniakalische Dämpfe entwickeln, dannQuecksilber aufsublimirt. — Die gute Beschaffenheit ergiebt sich:

a. aus der rein weissen Farbe;

b. aus der vollständigen Verflüchtigung beim Erhitzen auf Pla-tinblech über der Weingeistlampe;

c. aus der vollkommnen Auflöslichkeit in Salzsäure.

I

Hydrargyrnm borusslcwm s. zooticmu.

(Cyanetum hydrargyricum.)

Prussiale ou Cyanure de Mercure.

Blaustoffquecksilber. Cyanquecksilber. Quecksilbercyanid.

§ 236. Cyanquecltsillber. Man gewinnt dieses Präparat un-mittelbar durch Auflösen von Quecksilberoxyd in wässeriger Blausäure,Abdampfen und Krystallisiren. Bei diesem Processe verbindet sichder Sauerstoff des Metalloxydes mit dem Wasserstoffe der Blausäurezu Wasser, und das Cyan tritt an das Metall, damit Cyanquecksilbererzeugend, so dass demnach die erhaltene Verbindung nur mit Un-recht hlausaares Quecksilber genannt werden kann, wie zuweilen ge-schieht, da sie weder Wasser- noch Sauerstoff als Bestandteile ent-hält, sondern in 100 Theilen aus 79,32 Quecksilber und '20,68 Cyanzusammengesetzt ist, auch beim Erhitzen in diese Bestandteile zer-fällt (§196). — Das Cyanquecksilber krystallisirt in weissen, un-durchsichtigen, vierseitigen Prismen, ist geruchlos, schmeckt scharfmetallisch und langdauernd widerlich, Zuweilen erscheint es auch inkleinen nadeiförmigen Krystallen, dann enthält es aber gleichzeitigQuecksilberoxyd aufgelöst und die Auflösung in Wasser reagirt alka-lisch. Es ist in 8 Theilen kalten Wassers, etwas schwerer in Wein-geist löslich, wird weder durch Schwefel- noch durch Salpetersäurezersetzt, wohl aber von Salzsäure unter Erzeugung von Blausäure undAetzsublimat. Schwefelwasserstoff fällt schwarzes Schwefelquecksil-ber und gleichzeitig entsteht Blausäure, welche am Geruch erkanntwerden kann. Mit Jodkalium giebt es einen rothen Niederschlag,welcher von einem Ueberschusse der einen, so wie der.andern Ver-bindung zu einer farblosen Flüssigkeit aufgelöst wird. Kaustischeund kohlensaure Alkalien sind ohne Wirkung; blankes Kupfer verhältsich wie gegen die übrigen quecksilberhaltigen Auflösungen.

§ S32. Erkennung. Man erkennt das Cyanquecksilber alssolches am schnellsten mittelst einer Auflösung von Zinnchlorür (salz-saurem Zinnoxydul), welches daraus Blausäure entwickelt und metal-lisches Quecksilber niederschlägt. — Die gute Beschaffenheit ergiebtsich:

Prüfung, a. aus der vollständigen Verflüchtigung beim Erhit-zen auf Platinblech über der Weingeistlampe;

b. aus der vollständigen Auflöslichkeit in Wasser zu einer neu-tralen Flüssigkeit, welche weder durch Salzsäure, noch durch Aetz-kali eine Trübung erleidet.