Passifloreae.
1813
reien, so wie in manchen auf dem festen Lande verwendet. In Gloucestershireist der Gebrauch, eine Unze Orlean zu einem Centner Käse zu nehmen; inCheshire nimmt man eben so viel zu 60 Pfunden. Die spanischen Amerikanermischen Orlean unter ihre Chocolade, die eine schöne Färbung dadurch erhält,und einen guten Geschmack davon bekommen soll. INach Wright dient derOrleanbaum auch zu Umzäunungen, und seine Rinde läfst sich wie Hanf oderFlachs benutzen.
Von Metella tinctoria, einem in Ostindien wachsenden Baume, hatM. Killep auch eine Art Orlean bereitet, der jedoch dem amerikanischen nach-steht. Man sehe Magaz. für Pharm. Bd. 16. pag 2p,5 *).
Geschichte. Ueber den Ursprung des Namens Orlean oder Orellana sinddie Schriftsteller nicht einig ; nach Theis rührt er davon her, dafs der Baum inder Nähe der Ufer des Orellana wächst. Martius sagt, er soll von dem Be-schiffer des Air.azonenstromes , Franzisco de Orellana entlehnt seyn. —Gonzalo Hernandez Ovicdo de Valdes , spanischer Statthalter von Hispaniola undDarien , erwähnt den Baum schon unter dem Namen Bisa in seiner i525 ge-schriebenen Geschichte von Amerika. In den Schriften des öfters erwähntenPiso kommt der Name Urucu vor, wie er die Drogue nennt, aus der man eineTinctur mache, Orellana genannt. Clusius erwähnt den Baum als Bixa Oviediund Caspar Bauhin nennt ihn Arbor Meiicana fructu castaneae coccifera. Alsofficinelles Mittel führt Samuel Dale den Orlean in seiner Pharmakologie unterdem Namen Achiotl Officinarum seu Mcdicina tingendo apta auf, undspricht von der Anwendung gegen Fieberhitze, blutige Durchfälle und als zer-theilendes Mittel bei Geschwülsten.
Laetia resinosa Mercier. Ein in Westindien einheimischer, derLaetia apetala Jacquin verwandter Baum; dessen Stamm ein Harz ab-sondert, das von den Landleuten um Havana auf der Insel Cuba als eindrastisches Purgurmittel benutzt wird. Es besteht aus unregelmäfsigen,weifsgelbcn, durchscheinenden, brüchig-glasigen Fragmenten, von star-kem, scharfem und unangenehmem Geschmacke, der Geruch ist etwasaromatisch, er entwickelt sich und wird unangenehm, wenn man etwasvon dieser Substanz aut glühende Kohlen wirft. Man sehe Annalen derPharm. Bd. 4. pag. 26a.
Aus der Familie der Passifloreae Jussieu habenwir nur wenige Pflanzen kurz anzuführen.
Passiflora caerulea L. Gemeine blaue Passionsblame, in dieGynandria Pentandria Linnaei gehörend. Eine in Brasilien einheimische,bei uns in Gewächshäusern gezogene, strauchartige, kletternde Schling-pflanze , die 20 Fufs hoch und höher wird, mit rundem, oben eckigemStengel, abwechselnden ,, gestielten, fünftheilig-handförmig gelappten, glat-ten Blättern und ganzrandigen Segmenten, die Blattstiele sind meistens mitDrüsen besetzt und aus den Blattwinkeln entwickeln sich Schlingfäden, zudenen noch nierenförmig gekerbte Afterblättchen kommen. Die grofsenprächtigen Blumen kommen einzeln aus den Blat.twinkeln von einer ganz-randigen Hülle umgeben, die aus drei herzförmigen hohlen Blättchen be-steht. Der Belch zeigt 10 Segmente, wovon die fünf äufseren concav, aus-sen grün, innen weifslich, die fünf innern flach, stumpf und weifs sind.Die Stelle der Corolle vertritt ein sehr zierlicher Fadenkranz oder Strah-lenkranz (Paracorolla), der an der Basis purpurroth, in der Mitte weifs,an den Enden himmelblau ist und von Linne für ein Nectarium gehalten
*) Diese Metella tinctoria, von der in den Werken über Pflanzenkunde nichtszu finden ist, dürfte mit der Bixa Orellana einerlei seyn. Schon Tourne-fort beschrieb letztere unter dem Namen Mitella americana maxima spinosa.
Geigers Pharmacie II. 2. (zle Aufl.) 108