Amygdaleae.
1149
weifsen Corollen. Die schwarzen Früchte haben die Gestaltund Gröfse mittelniäfsiger Kirschen.
Officinell sind die Blätter: Kirschlorbeerblätter, FoliaLauro-Cerasi. Sie müssen im Juni oder Juli, und zwar nurdie völlig ausgebildeten, dunkelgrünen, steifen, lederartigengesammelt werden. Sie haben besonders beim Zerreiben einensehr starken, den bittern Mandeln ähnlichen Geruch und bit-tern aromatischen Geschmack. Durch Trocknen geht der Ge-ruch verloren, aber der stark bittre Geschmack bleibt. Siewirken sehr stark narkotisch giftig, weshalb die schon obenbei den bittern Mandeln angeführten Gegenmittel zu berück-sichtigen sind.
Vorwaltende Bestandtheile. Blausäurehaltendesätherisches Oel, bittrer Extractivstoff und eisengrünender Ger-bestoff. Der verdünnte wässerige Aufgufs wird von salzsau-rem Eisenoxyd schön grün gefärbt.
Güte, Verwechslung. Die Güte der Blätter gibt dasfrische grüne Ansehen, die lederartige Beschaffenheit und derstarke bittermandelartige Geruch beim Zerreiben zu erken-nen. Junge, unausgebildete, noch zarte oder alte bräunliche,beim Zerreiben fast geruchlose Blätter sind zu verwerfen.Verwechselt könnten sie werden mit den Blättern von Cera-sus lusitanica Loiseleur, diese sind stumpf gesägt undohne die drüsenartigen Eindrücke neben der Mittelrippe. Lor-beerblätter sind ganzrandig, ohne Drüsen und im Geruch wieim Geschmack sehr abweichend.
Anwendung. Die Kirschlorbeerblätter werden frisch, jedoch selten rmAufgufs, unschicklicher in Abkochung gegeben. Der Milch theilen sie einenangenehmen Geschmack mit, doch kann diese, wenn zu viel dazu kam, 'eichtschädlich werden Durch Trocknen verlieren sie ihre flüchtigen wirksamen Theile,doch soll das Pulver in Sie Nase gebracht, starkes Nielsen erregen. Als Präpa-rat hat man eine Aqua destillata Lauro-Cerasi, die nur in kleinen Mengen, tro-pfenweise, am besten mit vielem Wasser verdünnt, inuerlich gegeben werdendarf. Das Oleum aethereum Lauro -Cerasi kann als ein schnell tödlendes Giftfür sich nicht als Arzneimittel dienen , doch hat man es zur Darstellung einesbeständig gleichförmigen Kirschlorheerwassers vorgeschlagen. Die süfsen Früchtesollen zur Darstellung einer Art Ratana dienen und nach Miller ohne Nachlheilefsbar seyn , was jedoch zu bezweifeln seya möchte. Man sehe Magazin fürPharm. Bd. 28. pag. 229.
Geschichte. Peter Belon entdeckte den Kirschlorbeerbaum 1546 undbezeichnete ihn schon mit dem Namen Lauro-Cerasus, auch spricht er von ihmunter dem Namen Cerasus Trapezuntina. Der deutsche Gesandle am türkischenHofe, David Ungnad , schickte im Jahre 1576 lebende Exemplare davon an denberühmten Botaniker Clusius, durch den die Pflanze in viele deutsche Gärtenkam, und zum erstenmale im Mai i583 im Garten des Dr. Aichhols blühte.Auf die giftige Wirkung des destillirten Wassers wurde man schon frühe auf-merksam, zumal als 1728 zwei Frauen in Dublin daran starben. Bald wurde esauch auf verbrecherische Weise benutzt. Im Jahre 1781 vergiftete der englischeCapitain Donellan, einer reichen Erbschaft wegen, einen Verwandten mit AquaLauro Cerasi, die er der Arznei beimischte, und woran der noch jugendlicheKranke binnen einer Viertelstunde starb. Im Jahre 1783 vergiftete sich der be-rüchtigte Price, der aus Quecksilber Gold zu machen vorgegeben hatte, mit