Druckschrift 
1 (1847) Grundriss der pharmaceutischen Chemie und Lehre von der Gewinnungsweise, den Eigenschaften, der Erkennung und Prüfung der pharmaceutisch-chemischen Präparate
Entstehung
Seite
454
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

454

Oxygenium.

saures, sechsfach basisches oder sechstel-essigsaures Bleioxyd. Nichtselten ist in den basischen Salzen die fehlende Säure ebenfalls durchWasser vertreten, nichts desto weniger reagiren aber auch diese alka-lisch, wenn sie in Wasser löslich sind.

Die lateinische systematische Nomenclatur der Sauerstoffsalze nachBerzelius ist nach folgenden sehr einfachen Principien gebildet. Derauf die Säure sich beziehende Name geht als Hauptwort voran, derName der Base folgt als Beiwort nach. Das den Namen der Säurebezeichnende Hauptwort ist vom lateinischen Namen des gesäuertenBadicals hergenommen, und hat die Endigung as in der Einheit, atesin der Mehrheit, wenn der Name der Säure sich auf icum endigt,und is in der Einheit und ites in der Mehrheit, wenn der Name derSäuern zieh auf osum endigt. So heissen demnach die schwefelsaurenSalze Sulfates, das schwefelsaure Kali Sulfas kalicus, die unterschwe-felsauren Salze Hyposulfates, die schwefeligsauren Salze Sulfites, dasschwefeligsaure Kali Sulfis kalicus, die unterschwefeligsauren Salze Hy-posulfites, die salpetersauren Salze Nitrates, die salpetrigsauren SalzeNitrites u. s. w. Das mehrfache saure oder basische Verhältniss wirddurch Zahlwörter, welche entweder mit dem Namen der Säure oder derBase verbunden werden, angedeutet, z.B. doppelt-weisteinsaures Kali:Bitartras kalicus, drittel-essigsaures Bleioxyd: Acetas triplumbicus u. s. w.

PHOSPHORÜS.

P = 196,155. MG. = P 2 = 292,310.Synonyme. Phosphorus urinae s. ex ossibus. Phosphore. Phosphor.

§ 508. Vorkommen. Der Phosphor gehört zur Klasse der nicht-metallischen, starren, leichtflüssigen, flüchtigen Elemente, kommt in derNatur nie ungesäuert vor, ausser im menschlichen Gehirn, aber sehrhäufig, besonders im Thierreiche, gesäuert in Verbindung mit Basen.Dss Knochengerüste der Säugethiere und Vögel ist phosphorsaurerKalk mit etwa dem achten Theile kohlensauren Kalkes. Durch Glü-hen bei Zutritt der Luft werden die organischen Bestandtheile, Leim,Fett u. dgl., welche zwischen 43, und 47 Proc. betragen, zerstört, ausdem Rückstande wird mittelst Schwefelsäure die Phosphorsäure aus-geschieden, und durch Desoxydation dieser letzteren mittelst Kohle inder Glühhitze der Phosphor isolirt, und in Stangenform in den Han-del gebracht.

§ 509. Eigenschaften, Der Phosphor erscheint entweder farb-los oder von blassgelber Farbe, ist durchscheinend oder auch vollkom-men durchsichtig, in der Kälte spröde, bei mittler Temperatur weichund biegsam wie Wachs, schmilzt bei 43° zu einer farblosen ölartigenFlüssigkeit und krystallisirt im Erkalten. Siedet bei -j- 200° und de-stillirt in verschlossenen Gefässen vollständig in farblosen Dämpfenüber. Das spec. Gew. des Phosphordampfes ist 4,33, das des starrenPhosphors = 1,77, bei diesem ist das Wasser, bei jenem die Luft als •Einheit genommen. An der Luft stösst er weisse, eigenthümlich knob-Jauchartig-riechende Dämpfe aus, welche im Finstern leuchten, indem