Druckschrift 
1 (1847) Grundriss der pharmaceutischen Chemie und Lehre von der Gewinnungsweise, den Eigenschaften, der Erkennung und Prüfung der pharmaceutisch-chemischen Präparate
Entstehung
Seite
354
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

35J

Hydragcniuni.

sein spec. Gewicht beträgt nämlich im Vergleich zu dem der atmosphä-rischen Luft nur 0,0688, er ist mithin 1!^ mal leichler als diese, daherseine Anwendung zu ärostatischen Maschinen. Ucber AG. und MG.vergleiche S. 38. — Der Wasserstoff macht einen Hanptbestandtheildes Wassers aus, er ist darin zu 11 Proc. dem Gewichte nach ent-halten, und kann auch daraus in isolirter Gestalt abgeschieden werden,wenn man das W asser mit einem Körper in Berührung bringt, welcherunter gewissen Verhältnissen eine grössere Anziehung zum Sauerstoffäussert, als der Wasserstoff, und fähig ist, jenen aus seiner Verbindungmit diesem letzteren zu trennen. Dieses findet unter andern statt,wenn Wasserdämpfe über glühendes Eisen oder Zink geleitet werden;die Metalle oxydiren sich und der Wasserstoff entweicht in Gasform.Dieselbe Erscheinung tritt ein, wenn die genannten Metalle mit ver-dünnter Schwefelsäure übergössen werden, und dieses letztere ist auchder gewöhnliche Weg, welchen man zur Gewinnung von Wasserstoffgaseinschlägt, nur ist das so gewonnene Gas nicht ganz rein, wie schonsein unangenehmer Geruch beweist, da reines Wasserstoffgas geruchlosist. Um es zu reinigen, lässt man es, bevor man es auffängt, durcheine Auflösung von Kali in Wasser gehen, und schiebt dann unterWasser in jede der damit angefüllten Flaschen, vor dem Verschliessenderselben, ein cylindrisches Stück wohl ausgeglühter Holzkohle, undlässt diese mit dem Gas in Berührung. Die Kohle absorbirt nach undnach den riechenden Stoff, und lässt das Gas rein zurück — Wünschtman zu irgend einem therapeutischen oder physiologischen Versuchedie Luft irgend eines Raumes mit reinem Wasserstoffgas anzuschwän-gern, so verfuhrt man am zweckmässigsten auf die Art, dass man spi-ralförmig in einander gerollte Streifen von Zink- uud Eisenblech in einemGefässe mit Aetzkaliauflösung übergiesst und erwärmt. Das Zink oxy-dirt sich zu Oxyd, welches von der Kalilauge aufgenommen wird, undes entweicht geruchloses reines Wasserstoffgas; das Eisen erleidet dabeikeine Veränderung, es dient nur dazu durch seine Berührung diechemische Wirksamkeit des Zinks zu steigern.

Da

Wasserstoffgas ist im reinsten Zustande farb-

geruch- und

geschmacklos, in Wasser und Weingeist fast unlöslich, brennbar, lässtsich durch den elektrischen Funken, welssglühende und brennendeKörper entzünden und verbrennt mit einer gelblichen, am Tageslichtekaum sichtbaren Flamme, unter Entwicklung von grosser Hitze, indemes sein halbes Volum Sauerstoffgas absorbirt und Wasserdampf er-zeugt*). Es ist unfähig, das Verbrennen anderer brennbarer Körperzu unterhalten, ebenso das Athmen der Thiere, doch ist es an und fürsich nicht tödtlich, und Menschen können ohne Nachtheil eine langeW r eile Luft einathmen, worin das Stickgas zum Theil durch Wasser-stoffgas ersetzt ist. Man hat es in der Lungenschwindsucht als Heil-mittel anzuwenden versucht.

1

*) Ein Gemisch aus 2 Vol. Wasserstoffgas und 1 Vol. SaucrstofTgas wirdKnallgas genannt, weil es in Berührung mit einem zündenden Körper mit hef-tigem Knall explodirt. Man bedient sich eines solchen entzündeten Gasstroms(Knatlgasgebläs), um die möglichste stärkste Hitze hervorzubringen.

\—