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Acetum.
dritten Tag wird wie am ersten verfahren, am vierten endlich Abends30 Quart fertigen Essig abgenommen, und nun der Cyclus von Neuembegonnen, so dass demnach ein Eimer des stärksten Essigs stets alsBestand im Bilder verbleibt und aus letzterem durch Aufwand von30 Q. Wasser und 6 Quart Weingeist von 80°/o Tr. alle 4 Tage gegen30 Q. Essig gewonnen werden.
Zum guten Fortgang der Operation ist es übrigens erforderlich,dass die Temperatur in dem Bilder früh Morgens beim Beginnen einerjeden täglichen Periode nie unter 28° B. sich befinde, der Gehalt desEssigs nicht unter 9 Proc. herabsinke, der Bilder einen reinen, starkund angenehm sauren Dunst aushauche und ein lebhaftes Zuströmenvon atmosphärischer Luft in dasselbe stattfinde. Das erstere erkenntman mittelst des Thermometers, das zweite durch zeitweilige Prüfung,das dritte durch Hineinriechen in die Oeffnung, welche zum Einsetzendes Thermometers dient, das vierte endlich, indem man eine brennendeKerze an eine der untern Oeffnungen hält, wo dann bei gutem Luftzugedie Flamme in die Oeffnung gezogen wird.
Der nach dieser Methode gewonnene Essig ist farblos, von ange-nehmen Geruch und Geschmack enthält gegen 9 Proc. reine Essigsäureund ausserdem etwas unveränderten Weingeist, Aldehyd (§ 103) undAcetal (§ 103), ebenfalls zwei Oxydationsproducte des Weingeists, welchebesonders bei unzureichendem Zuströmen von Sauerstoffgas entstehen,und deren Bildung beim Essigerzeugungsprozesse nicht selten so bedeu-tend wird, dass die Ausbeute an Essigsäure in gar keinem Verhältnissezum Weingeistverbrauche steht. Die Anwesenheit dieser beiden Stoffeim Essig ist auch die Ursache, dass die durch Neutralisation des obigenfarblosen Essigs gewonnene ebenfalls farblose Flüssigkeit beim Ver-dunsten sich so dunkel färbt. Neutralisirt man den Essig mit kohlen-saurem Kalk (Kreide), filtrirt, lässt bis auf die Hälfte verdunsten undzersetzt nun mit kohlensaurem Kali, so erhält man eine fast ungefärbteFlüssigkeit, welche beim Verdunsten auch ein weit weniger gefärbtesSalz hinterlässt. Unterwirft man den frisch mit Kreide neutralisirtenEssig vor dem Verdunsten der Destillation, so erhält man ein Destillat,welches durch freies Kali ebenfalls gebräunt wird. — Beim Lagerndes Essigs in Fässern, welche nicht ganz damit angefüllt sind, geht dasAldehyd allmählig durch Absorption von Sauerstoff in Essigsäure überund der Essig wird stärker.
§ 4. Prüfung. Die gute Beschaffenheit eines Medicinalcssigs bedingt
a) Klarheit, angenehmen Geruch und Geschmack;
b) einen Gehalt von mindestens^ Proc.Essigsäure, was daran erkenntlich,dass 161'heile davon hinreichen, um einen Theil wasscrleeres (vollkommnen trok-kenes) kohlensaures Kali zu neutralisiren. 100 Theile des letzteren bedürfennämlich zur vollkommenen Neutralisation 74] wasserleere Essigsäure, folglich74,25 : 100 = 4,5 : 60.
Die Sättigung oder Neutralisation wird am besten folgendermaassen ausge-führt: man wägt oder misst in einem geraumigen Glase 2 Unzen von dem Essigab, fügt von einer abgewogenen Menge in Wasser gelösten frisch geglühten kohlen-sauren Kalis (13 Theile davon auf 37 Theile Wasser) unter fortdauerndem Um-rühren mit einem Glasstabe so lange zu, bis ein mittelst des Glasstabes her-