Druckschrift 
1 (1833) Die Lehre von den qualitativen chemisch-analytischen Untersuchungen
Entstehung
Seite
472
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

472

Man mag nun gröfsere oder geringere Mengen vonder zu untersuchenden Substanz besitzen, so mufs immerzuerst ein sehr kleiner Theil derselben gebraucht wer-den, um zu sehen, ob in ihr nur sogenannte unorganischeSubstanzen, oder auch organische enthalten sind. Mannimmt zu diesem Ende eine Menge von einigen Messer-spitzen, wenn die Substanz im gepulverten Zustande vor-handen ist, oder von einigen Schrotkörnern, wenn mansie in ganzen Stücken hat, und bringt diese in eine Glas-röhre von weifsein Glase, die an einem Ende zugeschmol-zen ist und einen Durchmesser von einigen Linien, undeine Länge von ungefähr 2 Zoll haben kann. Das zu-geschmolzene Ende dieser Glasröhre kann etwas ausge-blasen sein, doch nur sehr wenig, damit das Glas andieser Stelle nicht zu dünn ist. Man erhitzt nun das zu-geschmolzene Ende, wo auch die zu untersuchende Sub-stanz liegen mufs, durch die Flamme einer kleinen Spi-rituslampe, indem man die Glasröhre weder senkrechtnoch horizontal, sondern sehr schwach geneigt hält. Dieorganischen Stoffe werden durch die Einwirkung desFeuers beim nicht vollständigen Zutritt der Luft meisten-theils stark geschwärzt; zugleich bilden sich dann noch,wenn auch nicht immer, doch in den meisten Fällen,die gewöhnlichen Producte der Destillation organischerSubstanzen, empyreumatisches Oel und empyreumatischesWasser.

Wenn keine organische Substanzen zugegen sind, sosieht man bei diesem Versuch auch noch, ob Wasser,oder andere flüchtige Stoffe in der zu untersuchendenSubstanz enthalten sind. Wenn nämlich Wasser zugegenist, so sammelt sich dies beim Erhitzen der Glasröhre anden kälteren Stellen derselben an; durch einen schmalenStreifen Lackmuspapier, den man in die Glasröhre bringt,so dafs er von dem verdichteten Wasser benetzt wird,kann man dann noch sehen, ob das "Wasser sauer oderalkalisch reagirt. Eine alkalische Reaction des Wassers