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1 (1858) Anorganische Chemie
Entstehung
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769
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I

Harnstoff. 709

Alkohol, und schmecken süss. Das Glycocoll reagixt nicht alka-lisch. Es verbindet sieh mit Säuren zu sauer reagirenden Salzen,bildet mit den Metalloxyden krystallisirtc Verbindungen, in wel-chen 1 Aeq. Wasser durch 1 Acq. Metalloxyd ersetzt ist (z. B.C 4 H,NO ;l . CuO), und geht mit vielen Salzen, namentlich densalpetersauren Salzen, krystalüsirbare Doppelverbindungen ein(z. B. C,H 5 N0 4 -f KO . N0 5 ).

Harnstoff: C a H 4 N 2 0 2 .

890. Der Harnstoff ist eine in manchen Beziehungen demGlycocoll ähnliche, sehr schwache Basis. Er findet sich in demHarn der Thiere, am reichlichsten in dem der Fleischfresser, aberauch in anderen thierischen Flüssigkeiten. Man verdunstet denHarn und vermischt den syrupdicken Rückstand mit starker Sal-petersäure, wobei ein krystallinischer Brei von salpetersauremHarnstoff entsteht. Man reinigt denselben durch Umkrystallisirenund Kochen mit fhierkohle, scheidet hierauf die Salpetersäuremit kohlensaurem Baryt von dem Harnstoff und dampft die Lö-sung ein. Aus dem Rückstande wird der Harnstoff mit Alkoholausgezogen und durch Verdampfen krystallisirt erhalten.

Leichter erhält man denselben aus eyansaurem Kali, indemdieses mit schwefelsaurem Ammoniak vermischt und mit Wassergekocht wird. Das hierbei anfangs entstehende cyansaure Ammo-niak verwandelt sich nach kurzer Zeit in den isomeren Harn-stoff (800.). Man dampft die Lösung ein, und zieht aus dein Rück-stande den Harnstoff mit Alkohol aus.

Der Harnstoff krystallisirt in farblosen, langen Prismen; erlöst sich sehr leicht in Wasser und in Alkohol, wenig in Aether.Er besitzt einen kühlenden Geschmack und ist ohne Reactionauf Pflanzenfarben. Bei 120° C. schmilzt er und zersetzt sich inwenig höherer Temperatur, wobei im Rückstande Cyanursäurebleibt. In Berührung mit faulenden Thierstoffen zerfällt er sehrschnell in Kohlensäure und Ammoniak; dies findet z. B. beimlängeren Stehen des Harns statt. Diese Zersetzung erklärt sichleicht durch die Gleichung:

C 2 H, N s 0 2 -f 2 HO = 2 C 0 2 + 2NH 3 .

Dieselbe Zersetzung erleidet der Harnstoff beim Erhitzen mitKalihydrat oder concentrirter Schwefelsäure. Der Harnstoff ver-bindet sich mit den Säuren zu sauer reagirenden, krystallisirbarenSalzen; der Salpetersäure Harnstoff, C 2 H,N 2 0 2 .HO . NO,,,ist durch seine Schwerlösliehkeit vor den anderen Salzen aus-K eg na alt- Strecker 1 s Chemie. 4c)