Druckschrift 
1 (1858) Anorganische Chemie
Entstehung
Seite
753
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

I

Aethersäuren.

753

mem Geruch; er ist wenig löslich in Wasser und siedet bei74° C, sein specif. Gewicht ist 0,907 bei 0°.

Aethersäuren.

867. Aetherschoefekäure: HO . C 4 H 5 0 . 2S0 3 . Diese Säurebildet sich beim Vermischen concentrirter Schwefelsäure mit Al-kohol (wobei Erwärmung stattfindet) ; man verdünnt die Mischungmit Wasser und neutralisirt zur Abscheidung der freien Schwe-felsäure mit kohlensaurem Baryt. Es scheidet sich hierbei schwe-felsaurer Baryt aus, aber der ätlierschwefelsaure Baryt bleibt ge-löst und wird durch Abdampfen in Krystallen erhalten. .DurchZersetzung dieses Barytsalzes mit Schwefelsäure kann man dieAetherschwefelsäure für sich darstellen, und erhält sie als lärb-lose, ölartige, saure Flüssigkeit, welche beim Kochen mit Wasserin Alkohol und Schwefelsäure zerfällt.

Die ätherschwefelsauren Salze haben die allgemeine Formel:MO . C4H5O . 2 SO a ; sie sind sämmtlich in Wasser löslichund werden beim Kochen mit Wasser weniger leicht als die freieSäure zersetzt.

Beim Zusammenbringen von ätherschwefelsaurem Kali mitCyankalium, Schwefelkalium oder mit Schwefelwasserstoff-Sehwe-lelkalium, cyansaurem Kali u. s. w. findet in der Wärme einedoppelte Zersetzung statt, wobei einfach-schwefelsaures Kali ge-bildet wird, während das Aethyl die Stelle des Kaliums in derbetreffenden Kaliumverbindung einnimmt. Die Zersetzung mitCyankalium wird z. B. durch folgende Gleichung ausgedrückt:KO . C 4 H 5 0 . 2 S0 3 + KCy = 2 (KO . S0 3 ) + C 4 H 5 Cy.

Das hierbei erhaltene Cyanäthyl ist mit dem durch Er-hitzen von propionsaurem Ammoniak mit wasserfreier Phosphor-siiure darzustellenden Nitril der Propionsäure identisch.

8G8. Aetlierweimiiure, HO . C 4 H 5 0 . C 6 H 4 O 10 , bildet sichbeim Erwärmen einer Lösung von Weinsäure in Alkohol; beimVerdunsten der Lösung krystallisirt die Säure in langen, rhom-bischen Prismen. Diese Säure bildet mit 1 Aeq. Metalloxyd lös-liche, krystallisirbare Salze.

8G9. Xanthogensäure (Acthyloxyd-Sullökohlensäure): HO .C 4 H ä O . 2CS, 2 . Vermischt man eine Lösung von Kalihydrat inAlkohol mit Schwefelkohlenstoff, so scheiden sich sogleich farb-lose, seideglänzende Nadeln von xanthogensaurem Kali, KO .C 4 H,0 . 2CS 2 , ab. Dieses Salz löst sich in Wasser auf, unddurch Zusatz von verdünnter Schwefelsäure fällt die Xanthogen-säure in Gestalt einer lärblosen, ölartigen Flüssigkeit nieder.Kogiiunlt-Streckor's Chemie. 48