Druckschrift 
3 (1848) [F - H]
Entstehung
Seite
196
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

190

Frischen.

tM

1

f

In Betreff des procentalen Blei-Ausbringens bei den verschie-denen Arten des Glättfrischens hat sich Folgendes herausgestellt.Unmittelbar durch den Flammofen-Process pflegt man kaum mehrals 86 Proc. Blei aus der Glätte zu erhalten (reines Bleioxjd enthält92,8 Proc. Blei); durch das Umschmelzen der Rückstände in Schacht-öfen werden aber noch ungefähr 3 3% Proc. Blei gewonnen,so dass das ganze Ausbringen auf 89 89,5 Proc. und der Verlust allerdings auf reines Bleioxjd bezogen, was die Glätte nicht istauf 3,3 3,8 Proc. veranschlagt werden kann. Ein ganz ähnlicher Ver-lust findet, das durch Umschmelzen der Schlacken gewonnene Blei mit inRechnung gebracht, auch bei der Schachtofenarbeit Statt. Am geringstenscheint derselbe auf der Friedrichshütte bei Tarnowitz in Ober-Schlesienauszufallen. Das Glättfrischen wird hier in niedrigen Schachtöfen (die-selben, welche man dort zum Erzschmelzen gebraucht) und bei Anwen-dung von Steinkohlen (Sinterkohlen) als Brennmaterial betrieben. Bereitsbeim ersten Niederschmelzen dem eigentlichen Glättfrischen erhältman 89, 89,5 Proc. Blei, durch Umschmelzen der hierbei gefallenen13 15 Proc. Frischschlacken, in hohen Schachtöfen aber noch 33,25 Proc. Blei. Ob dieser günstige Ausfall allein in der Vollkommen-heit des Processes oder zum Theil in localen Umständen begründet ist,dürfte nicht ganz ausgemacht sejn. Eine besondere Art des Glättfri-schens wurde vor etwa zwei Decennien in Sibirien in Anwendung ge-bracht und darauf auch auf einigen deutschen Hüttenwerken versuchs-weise ausgeführt, später aber wieder eingestellt, da sie sich als unprak-tisch erwies. Unmittelbar am Treibeheerd (s. Abtreiben), dicht bei derGlätlgasse, wurde nämlich ein kleiner Schachtofen aus Backsteinen aufge-rührt, von nicht gröfserer Höhe, als dass die abfliefsende Glätte durcheine kleine Binne unmittelbar auf die im Schachte befindlichen Kohlengeleitet werden konnte. Hierdurch wurde sie reducirt und das reducirteBlei floss aus einem in der Sohle des Oefchens angebrachten Auge ineinen Vortiegel. Was diesen Process empfiehlt, ist die Ersparung anManipulationen, also an Arbeitslöhnen, sowie die Benutzung der höherenTemperatur, welche die vom Treibheerde ahtliefsende Glätte besitzt. Letz-teres wirkt in der Hinsicht vorteilhaft, dass die Reduction der auf dieglühenden Kohlen fliefsenden Glätte sehr schnell fast augenblicklicheintritt. Gleichwohl aber hat sich hierbei keine Ersparung an Brennma-terial herausgestellt, weil ein Theil der Kohlen, wegen des nur sparsamaustretenden Glättslromes, unbenutzt verbrennt; und der gedachte Ge-winn an Arbeitslöhnen wird durch die bedeutenden Schwierigkeiten auf-gewogen, welche dem mit dem Abtreiben beschäftigten Arbeiter aus meh-reren Umständen bei der Führung seines Geschäftes erwachsen. Eineganz ähnliche Arbeit wie das Glättfrischen ist das Frischen des Ab-strichs (s. d.). Dieselbe unterscheidet sich hauptsächlich nur dadurchvon dem Glättfrischen, dass man gegen 15 Proc. Rohschlacken oder Blei-arbeitsschlacken zuschlägt, welche bewirken, dass die sich aus dem Ab-strich bildenden unreinen und zähen Frischschlacken eine dünnflüssigereConsistenz annehmen. 3) Das Frischen beim Saiger-Processe(s. d.) besteht in dem Zusammenschmelzen des silberhaltigen Kupfers mitBlei etwa in dem Verhältniss von 11 ; 3 behufs der darauf folgen-den eigentlichen Saigcr-Arbeit. 4) Unter Frischen bei dem ungari-schen Silber-Schmelzprocesse versteht man das ZusammenbringenYOn geschmolzenem Blei mit geschmolzenem silber- und kupferhaltigen