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Radicale; Radicaltheorie.
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temperaturen, z. B. von den isolirten Eadicalen Butyl C 8 B 9 und AmylC 10 H n , nicht 20° C, sondern gegen 40° C. beträgt. Hierbei darf jedochnicht übersehen werden, dass diese Gesetzmässigkeit eine beschränkteist, und die Siedepunktsdifferenzen homologer Verbindungen in ver-schiedenen Reihen oft sehr verschieden sind, wie dies namentlich durchdie neuesten Untersuchungen von Kopp 1 ) erwiesen ist.
Von viel grösserer Bedeutung für die Frage nach den Atomge-wichten der für die Alkoholradicale angesehenen isolirten Kohlenwas-serstoffe ist unstreitig die unlängst von Wurtz 2 ) gemachte interessanteEntdeckung der sogenannten gemischten Radicale. Nach Wurtz exi-stirt unter anderen zwischen dem Butyl und Amyl ein intermediärerKohlenwasserstoff, das Butyl-Amyl, C 8 H 9 . Ci 0 H n , welches sichauf ganz demselben Wege wie das Butyl und Amyl selbst darstellenlässt. Wie nämlich Butyl aus Btityljodür und Amyl aus Amyljodürdurch Behandlung mit Natrium entstehen, so bildet sich aus einer Mi-schung äquivalenter Mengen von Butyl- und Amyljodür, wenn man siemit Natrium zersetzt, eine chemische Verbindung von Butyl mit Amyl.Besonders bemerkenswerth ist hierbei der Umstand, dass die Siede-temperatur des Butyl-Amyls circa 24° C. höher liegt als die des Bu-tyls, und ebensoviel niedriger als die des Amyls.
Wurtz findet- in diesen sehr interessanten Beobachtungen einenweiteren Beweis für die Vorstellung, dass das Atomgewicht des Bu-tyls und Amyls verdoppelt werden müsse, und dass sie eine analogeConstitution wie das Butyl-Amyl besitzen, wie sich in folgender Zu-sammenstellung ausspricht.
Siedepunktsdifferenz.Butyl . . . . C 16 Hig = Cs H 9 . C 8 H 9Butyl-Amyl. . C 18 H 20 = C 8 H 9 . C 10 B u jAmyl .... C 20 H 22 = C 10 Hn . C 10 H n jEs bleibt für den Augenblick unentschieden und fraglich, ob jeneThatsachen Beweiskraft genug haben, um darauf hin das Atomgewichtdes Butyls, Amyls und der anderen isolirten Alkoholradicale zu ver-doppeln. Jedenfalls würde daraus weiter zu folgern seyn und wirdvon einigen Chemikern angenommen, dass auch der Wasserstoff, vondem die Alkoholradicale Homologe sind, ferner das Chlor und vieleandere Elemente im isolirten Zustande ein noch einmal so hohes Atom-gewicht haben, als sie in ihren Verbindungen besitzen. Ehe manaber diese Ansicht adoptirt, müssen erst noch stärkere Beweise her-beigebracht werden.
Die Alkoholradicale sind in ausgedehnter Weise fähig, den Was-serstoff, als dessen Analoga wir sie betrachten müssen, in den verschie-densten Verbindungen zu ersetzen, so in dem Ammoniak und Ammo-nium, ferner den Phosphor-, Arsen-, Antimon-Wasserstoff u. a. m. Hier-durch entstehen dann neue, die sogenannten gepaarten Radicale, alsderen Prototyp das Kakodyl (Bimethylarsen) gelten kann. Auch solcheMetalle, von denen Wasserstoffverbindungen noch gar nicht bekanntsind, z. B. Zink, Zinn, Blei u. a. m., vereinigen sich mit Methyl, Aethylu. s. w. zu dem Kakodyl ähnlichen Verbindungen (Radicalen).
Diese gepaaarten Radicale sind meist mit sehr hervorragenden
circa 24° C.circa 24° C.
Y ) Annal. der Chem. Bd. 96, S. 1 ff. — 2 ) Annal. der Gliom. Bd. 96, S. 364.- Annal. de Chim. et de Phys. [3] T. XLIV, p. 275.
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