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6 (1854) [P - R]
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Radicale; Radicaltheorie.

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nische Verbindungen solche zusammengesetzte Radicale enthalten, führtden Namen Radicaltheorie.

Wie es scheint, können sämmtliche Elemente an der Constituirungorganischer Radicale Theil nehmen, auch Chlor und Sauerstoff nichtausgenommen. Berzelius, welcher an der ursprünglichen Auffassungfesthielt, der gemäss man sich in sauerstoffhaltigen organischen Ver-bindungen allen Sauerstoff zu den übrigen elementaren Bestandteilenderselben, dem Radical, in derselben Beziehung stehend dachte, wiesämmtliche Sauerstoffatome in der Schwefelsäure zu dem Schwefel-radical, fand natürlicher Weise in der Annahme sauerstoffhaltiger Ra-dicale einen Widerspruch mit jener Vorstellung, und verwarf daherdiese Annahme als unstatthaft.

Noch nach einer anderen Richtung hin weichen gegenwärtig dieAnsichten der meisten Chemiker über die Natur der organischen Ra-dicale von denjenigen ab, welche man früher darüber hegtj. Es galtden Anhängern der Radicaltheorie vor nicht sehr langer Zeit nochallgemein für eine selbstverständliche Sache, und Berzelius nament-lich hielt daran bis zuletzt wie an einem Dogma fest, dass die orga-nischen Radicale unveränderliche Atomgruppen seyen, deren Bestehendurch den elektrochemischen Gegensatz der sie grade constituirendenelementaren Bestandtheile bedingt werde. Als daher Dumas imJahre 1839 die höchst wichtige Entdeckung machte, dass im Essig-säurehydrat drei Wasserstoffatome durch ebensoviel Chloratome sub-stituirt werden können, und als bald darauf Melsens nachwies, dassdie so gewonnene Chloressigsäure unmittelbar und vollständig wiederin Essigsäure zurückgeführt werden kann, wonach nicht zu bezweifelnwar, dass beide Säuren gleiche Constitution besitzen, hielt Berzeliusjene Thatsachen für so völlig unverträglich mit der bis dahin allgemeingültigen Annahme des Acetylradicals in der Essigsäure, dass er die-selbe ganz fallen fallen Hess, und dafür die Hypothese aufstellte, dieEssigsäure sey eine gepaarte Verbindung von Oxalsäure mit Methyl.

Auch Dumas Hess mit jener Entdeckung die Radicaltheorie, abernicht bloss in Anwendung auf die Essigsäure, sondern überhaupt ganzund gar fallen, und suchte dagegen eine neue Hypothese, die soge-nannte Typentheorie zu begründen, indem er den Grundsatz aussprach,dass die Rolle, welche ein Element in der organischen Zusammen-setzung spielt, nicht auf den ursprünglichen Eigenschaften desselben,sondern lediglich auf dem Platze beruht, welchen es in der Verbin-dung einnimmt.

Die zahlreichen ähnlichen Entdeckungen, welche der der Chlor-essigsäure gefolgt sind, und die darüber gepflogenen interessanten wis-senschaftlichen Verhandlungen haben zur Folge gehabt, dass gegen-wärtig von der Mehrzahl der Chemiker das frühere Dogma der Un-veränderlichkeit organischer Radicale aufgegeben ist, weil dasselbe mitder Erfahrung im Widerspruch steht. Dass organische Radicale (viel-leicht in allen organischen Verbindungen) existiren, ist zu einer fastnicht mehr bestrittenen Thatsache geworden; ebenso scheint es erwiesen,dass die meisten Radicale, ohne eine gänzliche Auflösung zu erleiden,einen und selbst mehrere ihrer Bestandtseile, namentlich den Wasser-stoff, Atom für Atom gegen andere Elemente vertauschen können, undmerkwürdiger Weise selbst gegen solche Elemente, welche hinsichtlichihrer chemischen Natur dem Wasserstoff diametral gegenüber stehen.

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