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6. Abschnitt (Anhang): Zur älteren Geschichte der Metalle.
wie aus den Berichten der europäischen Entdecker hervorgeht, im 16. Jahr-hundert bereits größere Mengen Zink im Handel befanden, so kann seineDarstellung damals schon längst nichts Neues mehr gewesen sein. Soweitdie dürftigen Angaben älterer und die flüchtigen Erzählungen spätererSchriftsteller zu ersehen gestatten, erhitzte man ein Gemenge von Galmeiund Kohle in gut verschlossenen tönernen Gefäßen oder Tiegeln auf nichtzu hohe Temperatur, ließ die Zinkdämpfe durch ein Abzugsrohr aufsteigenund verdichtete sie in kaltem Wasser x ). Das so im großen, aber freilichdoch nur in geringer Ausbeute erhaltene Metall galt als solches eigenerArt und kann daher weder mit dem weiter oben besprochenen Char Siniidentifiziert werden 2 ), noch mit der Kupfer-Zink-Nickel-Legierung Pack-fong 3 ), noch mit der Kupfer-Zink-Eisen-Legierung Tutanego (Tutenage),dem sog. „chinesischen Kupfer" der Malayen 4 ). Bei letzteren, also inHinterindien und im Archipelagus, scheinen die Portugiesen und späterdie Holländer zuerst die Bekanntschaft des Zinkes gemacht, es aber mitdem dort gleichfalls vorgefundenen Zinn verwechselt, oder für eine bloßeAbart des Zinns, für „indisches Zinn", gehalten zu haben, — woraus sichauch die dem malayischen Namen des Zinns, kalai, nachgebildete portu-giesische Benennung Calaim oder Calaem erklärt. Noch Van Linschotbn,der 1579, gelegentlich seiner Fahrt an der Küste von Malakka, zu Paradem Zink begegnete, spricht darüber in seiner Reisebeschreibung 5 ) mitWorten, die erkennen lassen, daß es ihm sichtlich ganz neu war; zur Zeitdes Reisenden De Laval (1601) prägten die Könige der indischen InselnMünzen aus dem „allerorten hochgeschätzten Metall Kaiin, das so weißwie Zinn, aber viel härter und schöner ist", und die Portugiesen hattenihnen diesen Brauch damals schon nachgeahmt 6 ); 1620 kaperten dieHolländer ein portugiesisches Schiff und verkauften das auf ihm vor-gefundene indische Zinn als „Speautre" 7 ). Dieser Name, der auch alsSpiauter, Spelter, Piautre, Pewter auftritt 8 ), leitet sich nach Karabacekvon einem persischen Beinamen des Zinnes ab, der isbidär lautet undselbst wieder auf das persische sefid rüy (= das Weißglänzende) zu-rückgeht 9 ). In Persien scheint metallisches Zink unter der Bezeichnungjest oder dschest, die selbst wieder mit dem indischen jasada zusammen-hängen dürfte 10 ), erst in später Zeit aufzutreten; es fand Anwendung zurHerstellung der zahlreichen, bis dahin aus Kupfer und Galmei gewonnenenLegierungen, unter denen hervorzuheben sind: Rotguß mit 80—97°/ 0Kupfer nebst 20—30% Zink; Gelbguß mit 50—70% Kupfer nebst 50—30%
x ) Beckmann 3, 410; Bibka 180; W. Hommel, a. a. O.; Siaunton, „Anemhassyto China" (London 1797) 2, 540. Angesichts der ungeheuren Beharrlichkeit derchinesischen Verfahren sind auch solche späte Berichte keineswegs zu unterschätzen.
2 ) W. Hommel, a. a. 0. 3 ) Bibba 181.
*) Bibba 181; Mabco Polo, ed. Yule (London 1903) 2, 265.
s ) Amsterdam 1596; lib. 2, oap. 17.
6 ) Beckmann, „Litteratur der älteren Reisebeschreibungen" (Göttingen 1809)2, 124; Münzen aus Zinn gab es aber in Indien ebenfalls (Luschin 35), und dies dürfteden erwähnten Irrtum noch gefördert haben. ') Beckmann, „Beitr." 3, 409.
8 ) Bucheb 3, 43ff.; Lenobmant, „Anf." 1, 99.
9 ) „Metallurgische Etymologien" („Mitteilungen des Österr. Museums" 1886)bei Bucheb, a. a. O. 10 ) W. Hommel, a. a. O.