Druckschrift 
[1] (1919) Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, mit einem Anhang: Zur älteren Geschichte der Metalle
Entstehung
Seite
549
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

5. Bronze.

549

irische kennt den nämlichen Ausdruckaes rubrum", neben diesem trittaber auchaes cyprium" auf, das sich z. B. bei Vitruv findet, ferner ,aesC3'preum" (oft beiPiJNius),aes cyprinum" undaes cupreum";cuprum"allein (ohne aes), sowiecuprinus" (= kupfern), kommen dagegen erst beisehr späten Schriftstellern vor, z. B. bei Spaetianus (4. Jahrhundert),bei Palladius, und einigen anderen von Rossignol x ) und Blümner 2 )aufgezählten Autoren, denen noch der Arzt Caelius Aurelianus (5. Jahr-hundert) anzureihen wäre, der an einer Stellelepida cyprina" (Kupfer-Schuppen) vorschreibt 3 ). Die späte Nachweisbarkeit einer Vokabel inder Litteratur erbringt freilich keine Entscheidung über ihr Alter, es wirdz. B. kaum jemand voraussetzen, daß das Wort vitrum = Glas, für dasbisher Cicebo der früheste Gewährsmann sein soll, erst zu seiner Zeitplötzlich aufgetaucht sei; so wird wohl auch, neben vielen anderen als cypri-sche bekannten Erzeugnissen, das cyprische Erz, aes cyprium, cypreum,oder cupreum, im Sinne von Kupfer, dem Volksmunde längst vertrautgewesen, und in der Vulgärsprache abgekürztcuprum" genannt wordensein, worauf u. a. die Bezeichnung der elg xvjiqov (in Ky'pron, in Kupfer)Arbeitenden im Maximaltarife des Diokletian von 301 hinweist (s. obenS. 274). In ganz ähnlicher Weise ging z. B. der (nicht von Cypern abzulei-tende) Name der Cypresse, der noch bei dem höfischen Vebgilcyparissus"lautet 4 ), nach Beginn der Kaiserzeit, und anscheinend gerade unter An-lehnung ancuprum" ganz allgemein incupressus" über, war jedochschon weit früher in dieser Gestalt gebräuchlich, was sich hier rein zu-fällig aus einem Verse des Ennius (239169 v. Chr.) belegen läßt 5 ).Nichts zu tun hatcuprum" mit dem von Varro als sabinisch überliefertenciprum" = gut 6 ) und mit den etrurischen Städtenamen Cupra maritimaund montana; diese selbst führt man wieder auf eine Göttin Cupra zurück,in der man bald die griechische Kypris erblicken wollte, bald die römischeJuno, weil nach Pausanias 7 ), der aber hierin schon völlig den synkretisti-echen Anschauungen folgt, Hera auch Aphrodite genannt worden sei 8 ). Unter den romanischen Sprachen besitzt nur die französische das voncuprum abgeleitete cuivre; die übrigen nahmen das vulgär-lateinischeaeramen" (etwa = Kupferzeug) auf und bildeten, wie z. B. das italienischerame" zeigt, ihre Ausdrücke aus diesem.

5. Bronze.

Die Geschichte der Bronze, der Legierung von Kupfer und Zinn, istauf das Innigste mit jener dieses letzteren Metalls verknüpft, auf die jedoch

*) Rossignol, a. a. O. 269 ff.; dort auch die übrige Litteratur.

2 ) Blümner 2, 231; 4, 57. ») ed. Amman (Amsterdam 1709) 484.

*)Aeneis", Ges. 3, Vers 680.

5 ) Olck, PW. 4, 1909. Wenn z. B. im 16. Jahrhundert Caesalpinus, der sicheiner sehr gewählten Sprache befleißigt, vomaes ouprinum" redet (De re metallica",Nürnberg 1662; 79), so folgt daraus auch nicht,cuprum" sei damals noch unbekanntgewesen. «) Hülsen, PW. 4, 1761. 7 ) lib. 3,'cap. 13.

8 ) Olck, PW. 4, 1929; Hömr, Ro. 2, 1713; Nobk,Festkalender" (Stuttgart1847), 246.