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[1] (1919) Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, mit einem Anhang: Zur älteren Geschichte der Metalle
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6. Abschnitt (Anhang): Zur älteren Geschichte der Metalle.

noch nicht bei Homer, der Bernsteinschmuck in den Händen phönizischerKaufleute erwähnt 1 ) —, die Sagen über die Schwestern des Phaethon,die, an der Mündung des Eridanos (Po) in Pappeln verwandelt, Bernstein-Tränen vergießen, sowie die über das hvyxovgtov (Lynkürion), den zuBernstein verhärtenden Harn (o-öqov, Uron) des Luchses ßvyi;, Lynx),den dieses boshafte Tier den Menschen nicht gönnt und deshalb in derErde verscharrt. Letztere Fabel erklärt sich aus einer mißverständlichenVolksetymologie, indem hyovgiov Mxqv, die „ligurische Träne", oderdas abgekürzte „Ligurion", zu „Lynkürion" entstellt, und dieses als „Harndes Luchses" gedeutet wurde 2 ). Derlei, schon dem Theophkastos (um320 v. Chr.) geläufige Märchen 3 ) erhielten sich bis in das späte Altertumlebendig, — noch Lukian stellte sie in seiner Abhandlung „De electro"zusammen 4 ) —, und gingen dann in gleicher Weise in die Litteratur desMittelalters, ja die der Neuzeit über, so daß z. B. Ruellius, der 1543 seingroßes Pflanzenwerk herausgab, nicht verabsäumt, sie anzuführen, wo ervon den „drei Arten des Elektrons" spricht, „dem natürlichen, dem künst-lichen und dem Bernstein" 5 ).

Daß man sich über das Wesen des Bernsteins als verhärtetes Baum-harz seit altersher klar war, beweist u. a. die Behauptung des Ktesias(um 415 v. Chr.), daß das an Schätzen jeglicher Art überreiche Indienauch die Bäume hervorbringe, auf denen der Bernstein „wächst" 6 ), — eineBehauptung, die, weitergegeben durch Aelian 7 ) und den spätbyzantinischenManuel Philes 8 ) (13. Jahrhundert, zur Zeit des Kaisers Michael Palaeo-logus), ihren Weg in die gesamte abendländische Litteratur nahm 9 ). —Was die Herkunft des Bernsteins betrifft, so wußte man ebenfalls schonfrühzeitig, daß ihn nicht die Küsten Liguriens oder des westlichen Mittel-meeres erzeugen, aus deren Häfen ihn die Phönizier zuerst heranholten,sondern gewisse, in äußerster Ferne gelegene Inseln; bei den späterenGriechen heißen sie Elektriden, unter welchem Namen sie auch Plinius 10 ),und noch um 400 n. Chr. Martianus Capella kennen und als „InsulaeElectrides, in quibus electrum gignitur" (die den Bernstein hervorbringen)anführen 11 ), bei den Römern aber, z.B. bei Plinius, „Insulae glaesariaeprope Brittaniam", „Glas hervorbringende Inseln, gelegen unweit Bri-tanniens" 12 ), d. s. die dem westdänischen Gebiete vorgelagerten Inseln der

in den Gräbern der Po-Ebene, bei Villanova usf., s. Schbader, „R. L." 71, 72, 328;über die aus der jüngeren sog. Hallstädter Zeit (vor und gegen Mitte des 1. Jahr-tausends v. Chr.) ebd. und Feldhaus, „Technik" 77.i) Odyssee, Ges. 15, V. 416; Ges. 18, V. 296.

2 ) Krause, „Pyrgoteles" (Halle 1856) 14; Wessely 18 ff.

3 ) Escheb, PW. 6, 446; Rossignol, a. a. 0.

4 ) Lukian (ed. Dindorf, Paris 1884) 600, 355.

6 ) Rtjellius, „De natura stirpium" (Basel 1543) 45, 96, 114, 116, 237.6 ) Ktesias, „Indika", cap. 19; Kibssling, PW. 4, 46.') „Tiergeschichten", lib. 4, cap. 16; Blümneb 1, 252.

8 ) ed. Dübneb (Paris 1851) 25.

9 ) Tatsächlich wird in Indien und Südchina Bernstein nach Läufer nichtvor dem 1. Jahrhundert n. Chr. bekannt (M. G. M. 5, 446); vgl. aber Plinius, lib. 37,cap. 11 ff. 10 ) lib. 3, cap. 152; lib. 4, cap. 27, 30; lib. 37, cap. 11 ff.

ll ) lib. 6, cap. 666. 12 ) lib. 2, eap. 103.