Druckschrift 
[1] (1919) Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, mit einem Anhang: Zur älteren Geschichte der Metalle
Entstehung
Seite
370
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

370

4. Abschnitt: Die Alohemie im Orient.

einer gelehrten Zwecken dienenden, aber von politischen Nebenabsichtennicht ganz freien Vereinigung, die für die Versöhnung der Wissenschaftenmit demwahren" Glauben kämpfte, sich mit den Forderungen der Ortho-doxie vermöge gewagter äußerer und innerer Umdeutungen und Allegori-sierungen abzufinden suchte, in ihren eigenen Lehren aber einem weit-gehenden Eklektizismus naturphilosophischer und abergläubischer Ideenhuldigte 1 ). Unter denEingeweihten" gab es vier Grade, und die Kennt-nisse jener der obersten Klasse legte man in einerEnzyklopädie des ge-samten Wissens" nieder 2 ), bestehend in 51 Abhandlungen, die seitens ver-schiedenerWeiser" (von denen sich fünf mit Namen angeführt finden)zu gleicher Zeit im. einzelnen ausgearbeitet, und sodann zu einem Ganzenzusammengefaßt wurden 3 ). Ihren Inhalt bildendie Wissenschaften undErfahrungen, deren Besitz den Menschen über das Tier erhebt" 4 ), ein-geteilt, geordnet und dargestellt nach ihren Stoffen 5 ), jedoch nicht in er-schöpfender Art, sondern nur in übersichtlich andeutender, unter mancher-lei Hinweisen auf die benützten Quellen G ). Diese sind, obwohl die Ver-fasser vieles ihren nächsten arabischen Vorgängern entlehnten (namentlichdem hochgelehrten Alfarabi 7 ), gest. 950; s. unten) und auch der syrischen,hebräischen, persischen, indischen, lateinischen und griechischen Spracheund Schrift mehr oder weniger kundig scheinen (?) 8 ), dennoch so gut wieausschließlich griechische, und zwar ganz vorwiegend solche derletzten Periode; die Enzyklopädie ist daher von ganz besonderem Wertefür die Kenntnis dieser spätgriechischen Lehren und Vorstellungen, derenmanche uns anderweitig gar nicht, oder doch bei weitem nicht in gleicherVollständigkeit und Klarheit überliefert sind, und aus diesem Grundeerscheint es auch gerechtfertigt, sie schon an dieser Stelle, außerhalb dereigentlichen chronologischen Ordnung, zu besprechen.

Daß dieTreuen Brüder" unmittelbar aus griechischen Originalenschöpften, ist wenig wahrscheinlich, sie hielten sich vielleicht wohl so gutwie allein an die syrischen Übersetzungen, die die 431 und 489 ausgewiesenenund nach Persien und anderen orientalischen Ländern geflüchteten Nesto-rianer angefertigt hatten 9 ), und die betreff der Medizin ausgesprochengalenischen Charakter trugen 10 ), betreff der Philosophie und Naturwissen-

Vorr. IG). Daß jedoch Dieterici nur eine Auswahl, keine vollständige Übersetzungbietet und zudem in vielem ungenau und unzuverlässig ist, eiwäl.nt RuSKA (Zurälteren arabischen Algebra . . .", 78).

x ) Dieterici 4, Vorr. 1; 8, Vorr. 5; Leclerc,Histoire de la medecine arabe"(Paris 1876) 1, 393; De Boer,Geschichte der Philosophie im Islam" (Stuttgart1901) 76ff.; Deussen 2 (2), 3, 405 ff.; E. Wiedemann,Zur Chemie der Araber"(Zeitschr. d. Deutschen Morgenland. Ges. 1878, 579); ders.Über die Naturwissen-schaften bei den Arabern" (Hamburg 1890), 21 ff. Unter den abergläubischenVorstellungen spielen namentlich die hermetischen eine beachtenswerte Rolle(Reitzenstein,Poimandres" 181;Psyche" 56 ff.).

2 ) Dieterici 3, Vorr. 4 ff. u. 1; De Boer, a. a. O.

3 ) Dieterici 3, 184; 4, 1; 6, 263; 7, 41. Alle weiteren Zitate dieses Absatzes,bei denen nichts Besonderes angegeben ist, beziehen sich auf die Übersetzung Diete-ricis. 4 ) 6, 217. 5 ) Vorr. 5, 8ff.; 6, 221 ff. «) 6, 221 ff.

') Dieterici,Philosophische Abhandlungen des Alfarabi" (Leiden 1892)Vorr. 38.

8 ) 7, Vorr. 8; 180 ff., 202 ff. 9 ) 6, 241 ff. 10 ) 7, Vorr. 4 ff.