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[1] (1919) Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, mit einem Anhang: Zur älteren Geschichte der Metalle
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4. Abschnitt: Die Alchemie im Orient.

Daß es hingegen mindestens schon seit dem 5. oder 6. Jahrhundertvon anderen Autoren angefertigte syrische Übertragungen astrologischer,hermetischer und alchemistischer Bücher gegeben habe, ist durchaus wahr-scheinlich, und schon weiter oben wurde auf diesen Punkt verschiedentlichhingewiesen. Durch syrische Vermittlung erhielten daher wohl auch dieAraber die erste Kunde von einer Litteratur, die ihnen bis dahin in jederHinsicht völlig fremd gewesen war, entgegen einer weitverbreiteten An-nahme auch in astrologischer; hatten doch, wie Albiruni (um 1000) er-zählt 1 ), die Araber daheim vom Himmel und den Himmels-Erscheinungennicht mehr Kenntnisse als die Bauern allerorten, d. h. sie beobachtetenAufgänge, Stellungen, Aussehen, Lichtfarben usf. der Gestirne 2 ), und ver-ehrten zwar, wie alle Westsemiten, Mond und Sterne 3 ), schrieben jedochden Planeten keinerlei besondere oder bestimmende Wirkungen zu.

Eine eigene, d. h. selbständige arabische Litteratur hermetischenund alchemistischen Inhaltes scheint, soweit die noch sehr dürftigen Kennt-nisse in dieser Beziehung ein Urteil gestatten, als Fortsetzung der helle-nistischen und syrischen zuerst in harranischen (ssabischen) Kreisen ent-standen zu sein*), und zwar erst zur Zeit der Herrschaft der Abbassiden.Dagegen besaß man schon um das Ende der Ommajaden -Dynastie(661750) arabische Übersetzungen astronomischer und astrologischerWerke, u. a. der dem Hermes und Zoeoasteb zugeschriebenen aus demSyrischen, sowie der desbabylonischen" Tinkalos (d. i. des griechischenTetjkros) aus dem Mittelpersischen (Pehlewi) 6 ); Übertragungen alchemi-stischer Schriften aus dem Griechischen tauchen sogar, soferne man denvorhegenden Berichten Glauben schenken darf, bereits etwa 50 Jahrenach der Inbesitznahme Alexandrias (641) auf.

Es ist bekannt, daß die Araber, wie zahlreiche ihrer anderen anfäng-lichen Eroberungen, so auch die Ägyptens (von 641 an) auf das Schonendstevollzogen, unter derart weitgehender Berücksichtigung der bestehendenVerhältnisse, immer abgesehen von der politischen Obmacht, daß diegroße Masse einer seit jeher gänzlich passiven und das Aussaugungs-Systemjeder Regierung widerstandslos hinnehmenden Einwohnerschaft kaumzum Bewußtsein gekommen sein mag, abermals den Herrn gewechseltzu haben. Daher fiel es den Arabern leicht, alsbald nähere Beziehungenmit den Einheimischen anzuknüpfen, vor allem auch mit den hellenistischgebildeten Elementen der städtischen Bevölkerung, und da sie, wie bereitserwähnt, ebenso fähig waren, die Vorteile überlegener Kultur zu erkennen,wie bestrebt und begabt, sie sich zu eigen zu machen, bahnten sich schonnach kurzem die Anfänge jener Übermittler-Rolle an, die ihnen so un-geheure Wichtigkeit für die ganze geistige Entwicklung Europas verleihensollte.

Begreiflicherweise und auch der nationalen Veranlagung gemäß er-streckten sich die erwähnten Aneignungen zunächst auf das praktisch

x ) Albiruni,Chronology of aneient nations", üb. Sachau (London 1879)227, 337. 2 ) Albiruni, a. a. O. 338, 344, 345, 348.

3 ) Hommbl, PW. 2, 1307; die Sonne (Schams) war bei ihnen weiblich und demMonde untergeordnet. 4 ) Ebitzbnstein,Poim." 166 ff., 365.

') Nallino, M. G. M. 11, 478;Enzykl. d. Islam" 1, 514.