Die Entstehung der Alchemie.
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in Kirchen umgewandelt, zum Teil auch gewaltsam zerstört wurden, daflüchteten die ausgetriebenen, von ihren christlichen Nachfolgern wie vonden Staatsbehörden mit gleich großem Hasse verfolgten Kenner überlieferterWeisheit in „fest zusammenhaltende esoterische Zirkel" 1 ), in denen sieunter dem dichten Schleier des Geheimnisses ihre Künste weiterpflegtenund noch weit über zwei Jahrhunderte hinaus bis zur Zeit der arabischenEroberung lebendig erhielten. Zweifellos sind diese Zirkel die nämlichen,in denen z. B. dem Berichte des Rtjfinus (345—410) gemäß gewisse Priester,die zur Zeit der Schließung der alexandrinischen Tempel durch KaiserTheodosius (um 390) nach Kanopos geflohen waren, „dort alsbald, unterdem Vorwande des Studiums ihrer heiligen Schriften, wiederum Aber-glauben, Zauberei und Magie lehrten" 2 ); es sind ferner die nämlichen,deren Teilhaber, wie Hobapollons um 400 vollendetes Werk „Hiero-glyphika" beweist 3 ), noch anderthalb Jahrhunderte nach Anbringung derspätesten hieroglyphischen Inschriften an den Tempelwänden (um 250n. Chr.) Listen mit einer Anzahl richtiger hieroglyphischer Zeichen in Händenhatten, „allmählich aussterbende Kreise letzter Diener der alten Landes-götter, abergläubischer Zauberer und Quacksalber, die, an entlegenenOrten ein verborgenes Dasein fristend, die Reste ihrer religiösen Kenntnissein diese Bilder hineingeheimnisten" *■).
Aus den geschilderten Verhältnissen, die so manchen Einzelheitennach vorerst nicht streng zu beweisen, sondern nur zu erschließen sind,folgerte Sprengel schon 1820, soweit er sie damals zu überblicken ver-mochte, „die Alchemie sei als ein Zweig der Theurgie zu betrachten, ausihr hervorgegangen unter gnostischen und neupythagoräischen Einflüssenverschiedener Art" 5 ). Der Zusammenhang, den er hiermit scharfen Blickeserkannte, steht den Alchemisten selbst in der Tat fest und wird von ihnenjederzeit in streng dogmatischer Form ausgesprochen: sie nennen sichPriester und Mysten ihrer Kunst, diese Kunst ist eine geheime, heilige-,göttliche und wird identifiziert mit der Weisheit der alten ägyptischenPriester, als deren legitime Nachfolger und Erben sich die hellenistischenHierophanten ausgeben. Nach Zosimos, der spätestens um 300 n. Chr.schrieb, hatten die Ägypter vor den Griechen zwei Arten der xiyyr\ (Techne)voraus, die Kunst der (pvoixmv tpdfijucov, d. i. die Aufbereitung der natür-lichen Sande, die die Könige durch ihre „Techniten" als Regal ausführenließen 6 ), und die Kunst der xaiQixcöv ytdjujuwv, d. i. die Behandlung der„in Binden gewickelten" = zugerichteten Mineralien (der Präparate), er-folgend durch gewisse Handgriffe (xeiQox/Lnj/iara), die ein Geheimnis derin den Tempelwerkstätten tätigen Priester bildeten 7 ). Gleich den Mystenund Theurgen mußte sich auch der Alchemist an Leib und Seele reinigenund heiligen, er sollte nicht niedrigen persönlichen Zielen nachstreben,sondern nur höheren allgemeinen, er durfte seine Arbeit nicht zwecks Ge-
1 ) Diels, „Deutsche Litteratur-Zeitung" 1913, 905.
2 ) Schäfer, „Die Alchemie" (Flensburg 1887), 15.
3 ) ed. Leemans (Amsterdam 1835). «) Roeder, PW. 8, 2315.
6 ) Sprengel, in Ersch und Grubers „Allgemeiner Enzyklopädie der Wissen-schaften und Künste" (Leipzig 1819 ff.), 2, 414 ff.
«) Kopp, „Beitr." 92, 355. ») Hopfmann 2, 523.