Druckschrift 
[1] (1919) Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, mit einem Anhang: Zur älteren Geschichte der Metalle
Entstehung
Seite
192
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

192

2. Abschnitt: Die Quellen der alchemistischen Lehren.

aufstellen 1 ). In Wirklichkeit scheint aber Serapis babylonischer Herkunftzu sein, denn, der Vater Marduks, der aus der Urflut auftauchendeGott der Urweisheit 2 ), hieß auch Sarapsi =König des Ozeans" undwurde in der von den Assyriern begründeten Kolonie Sinope tatsächlichschon in Verbindung mit Zeus und Plttton, den Göttern des Himmelsund des Hades, verehrt; von dort aus führte, politischen Zwecken folgend,Ptolemaexjs I. seinen Kultals einen den Griechen und Ägyptern gemein-samen" in Ägypten ein, wo infolge Gleichsetzung mit Osor-Hapi, d. i.Osiris der Apis" (die Gottheit des letztverstorbenen Apis), die NamenOserapis und Serapis entstanden, weiterhin Osiris außer mit Ea (Eaü,Jaü) auch mit der Gottheit 'lad) (Jao) der Zaubeipapyri sowie demjüdischen Jehovah identifiziert und ebenso wie Isis als menschenköpfigeSchlange dargesteUt wurde 3 ).

Daß in Ägypten die Verehrung eines neuen Gottes wie des Serapisso leicht Boden fassen, auf Kosten der einheimischen Kulte rasch zu höchstemAnsehen aufsteigen und zu prunkvoller äußerer wie künstlerischer innerlicherVerklärung gelangen konnte, läßt erkennen, daß bereits unter den erstenPtolemäern Macht und Ansehen der alten Religion und ihrer Priesterschaftgebrochen waren, und auch begreifen, daß die hellenistischen Einflüsseden weiteren Verfall mächtig beschleunigten und daß dieser in der Zeitder mit dem römischen Eingreifen beginnenden Wirren, von etwa 150 bis50 v. Chr., zu einem fast vollständigen wurde 4 ). Bereits Strabon, derum 35 v. Chr. Ägypten bereiste, fand an den berühmtesten Stätten, wiez. B. in Heliopolis, alsPriester" nur mehr Fremdenführer, Opferer undKustoden vor, letzte herabgekommene Verteter eines einst so gefeiertenund wichtigen Standes, bar nicht nur der berühmtengeheimen Weisheit",sondern jeder höheren Bildung 5 ); in der Folgezeit gestalteten sich dieseVerhältnisse immer trauriger, und schon seit dem 2. Jahrhundert war dieägyptische Religion so gänzlich zersetzt, daß z. B. in den altchristlichenund gnostischen Schriften, die sich beide von der syrischen und chaldäischenweitgehend beeinflußt zeigen, von ihr kaum mehr die Rede ist 6 ). Eskann daher nicht wundernehmen, daß die Reste der Priesterschaft, wie so oft in sinkenden Zeitaltern, teils um ihre Stellung, teilsum ihren Broterwerb zu wahren, von Pflegern des Glaubens zusolchen des in Ägypten ohnehin seit altersher mächtigen Aberglaubenswurden, und zwar mit derartigem Erfolge,daß das Land alsbaldvon dieser Seite aus den Einfluß wiedereroberte, den es von Seiten desWissens eingebüßt hatte" 7 ).Die Religion wird zum Ausgangs- undMittel-Punkte für allen erdenklichen frommen Zauber und heiligen Schwindel,.... fromme Einfalt und spekulierender Betrug drapieren sich diese*=halb

1 ) Ausfeld,Der griechische Alexander-Roman", ed. Kroll (Leipzig 1907), 126.

2 ) Jeremias 16.

s ) Lehmann-Haupt, Ro. 4, 338 ff.; Weitz, ebd. 378, mit Abbildungen; Sethe,M. G. M. 15, 119; Abt, A. Rel. 18, 267; Fahz, ebd. 15, 418. Betreff der Unsicherheitaller Deutungen vgl. Wünsch, A. Rel. 14, 579 und Otto, A. Rel. 14, 580. Auchnach Prinz ist die LEHMANN'sche ganz unannehmbar, und Serapis sicher ägyptisch(= Osiris-Apis). 4 ) Reitzenstein,Zwei religionsgeschichtliche Fragen" (Straß-burg 1901); Dieterich,Mithras" 80, 204. 6 ) Burckhardt,Constantin", 178.

6 ) Harnack,Mission" 459. 7 ) Burckhardt a. a. O.