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2. Abschnitt: Die Quellen der alchemistischen Lehren.
Art zugeschrieben, im Gegensatze zur ngcorrj vh] (materia prima), die alsovai'a (Usia), als noch form- und eigenschaftsloses, jedoch allbildsamesSubstrat das weibliehe Prinzip des Kosmos vorstellt, das durch das Männ-liche, den Logos spermatikös, befruchtet wird 1 ).
Aus Luft und Feuer, die dem Pneuma des Samens entstammen,bestehen auch die Seelen; nach dem Verlassen des Leibes schweben sie,gleich den Dämonen und den jüdischen Engeln, in der Atmosphäre 2 ),und der Seelenbeherrscher Hermes, den Pltjtabch zugleich mit demgriechischen Logos und dem ägyptischen Thoth identifiziert 3 ), führt diewürdigsten unter ihnen empor zum höchsten Gott, der mit einem jüdisch-hellenistischen Ausdrucke als vipiorog (Hypsistos) = der Oberste, Höchst-thronende bezeichnet wird 4 ). Die erhabenste Offenbarung der Gottheitist die Sonne 5 ); ferner stehen in ihrem Dienst als „sichtbare Götter" dieSterne 6 ) und als unsichtbare die Untergötter, Dämonen und Geister, derDemiurg, der Logos usf.; sie sind die Mittler zwischen Gott, dem reinenGeist (Pneuma), und der gemeinen und unreinen Matorie, mit der sichunmittelbar zu befassen des vtpiorog nicht würdig wäre 7 ).
Unter den zahlreichen, durch den neu erwachenden Pythagoräismusbeeinflußten Werken ist wegen ihrer tiefgehenden und bis an die Schwelleder Neuzeit anhaltenden Wirksamkeit die Schrift „Von der Welt" (neglxoofiov) hervorzuheben 8 ). Sie ist vermutlich im 1. Jahrhundert n. Chr.geschrieben 9 ), jedoch dem Aristoteles untergeschoben, und zwar mitso gutem Erfolge, daß dessen „Opera omnia" sie samt der vorgeblichenWidmung an Alexander den Grossen noch in ihren jüngsten Ausgabenenthalten; der Inhalt der Abhandlung, die sich durch Kürze, vortreff-lichen Stil und eindringliche Darstellung auszeichnet und in sehr geschickterWeise peripatetischen Theismus mit stoischem Pantheismus verbindet 10 ),gibt ohne weiteres zu erkennen, daß sie unmöglich aus der Zeit des Ari-stoteles herstammen kann, daß ihr Verfasser vielmehr ein Eklektikerist, der seine Anschauungen aus platonischen, peripatetischen und stoischenQuellen schöpft, —namentlich aus Poseidonios 11 ) —, sie mit denen derNeupythagoräer zu vereinigen sucht 12 ) und an Stelle der Metaphysik viel-fach bereits die Theologie treten läßt, wodurch er den Übergang von derreinen Philosophie der älteren zur religiösen Spekulation der späterenZeit vorbereitet, ja mitvollzieht 13 ).
Die Elemente bilden auch hier die beiden bedeutsamen Gruppender aktiven (Feuer und Luft) und passiven (Wasser und Erde) u ); der Ätherbleibt bald im (peripatetischen) Gegensatze zu ihnen 15 ), bald tritt er „inder gröblich materialisierten Gestalt eines eigentlichen fünften Elementesauf" (ne/mrrj ovoia — quinta essentia, Quintessenz) 18 ), und zuweilen
1 ) ebd. 142, 151, 189; 188, 189; Baeumkee 389ff.; Heinze 173ff.
2 ) Zeller 3 (2), 154 ff., 193 ff. 3 ) ebd. 215. ") Zelleb 104 ff.5 ) ebd. 171, 197. 6 ) ebd. 133. ') ebd. 235; Windelband 306 ff.8 ) Capelle, „Die Schrift von der Welt" (Jena 1907). 9 ) ebd. 54.
10 ) Windelband 299. u ) Zelleb 3 (1), 653 ff.; Capelle 53, 56.12 ) Capelle 38 ff. 13 ) Zelleb 3 (1), 664. 14 ) Heinze 173 ff.15 ) Zelleb 3 (1), 660. 16 ) Pbantl, a. a. 0.