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[1] (1919) Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, mit einem Anhang: Zur älteren Geschichte der Metalle
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1. Abschnitt: Die Überreste der alchem istischen Litteratur.

logie *) widerstreiten der üblichen Angabe einige seiner eigenen Äußerungen,und die Chemie, deren Ausübung Kaiser Diokletian in Ägypten unter-sagt und durch Verbrennung der Schriften chemischen Inhaltes unmöglichgemacht hatte 2 ), die daher seitdem alsverbotene Kunst" galt, durfteer im kaiserlichen Palaste zu Konstantinopel nicht wohl lehren. Auchder Inhalt dieser Vorlesungen scheint Usener dagegen zu sprechen, daßein Mathematiker von Fach sie geschrieben habe, und er neigt daher dazu,sie (und auch einige andere Fragmente) als Pseudepigraphen aus spätererZeit (etwa um 775) zu betrachten 3 ). So beachtenswert diese Ansicht auchist, so scheint sie doch noch weiterer Vertiefung zu bedürfen, da das Vor-handensein von Widersprüchen bei Kompilatoren von der Art des Ste-phanos keineswegs vereinzelt dasteht, das Eingreifen des Diokletianaber wohl kein gerade der Chemie so feindliches gewesen ist (s. weiterunten), und überdies seither auch mehrere Jahrhunderte vergangen waren;zudem soll gerade der Kaiser Heeaklius von besonderer Vorliebe füralle Geheimwissenschaften erfüllt gewesen sein 4 ).

Das Buch des Stephanos, das sich bei den späteren Alehomistenganz besonderer Wertschätzung erfreute und auch im arabischenFihrist"gepriesen wird, vermag indessen solchen hohen Ruf in keiner Weise zurechtfertigen 5 ). Seine neun, stetsavv $£<5" (mit Gott") überschriebenenAbschnitte oder ngd^eig (Präxeis = Vorlesungen, Traktate, Handlungen),

dieses Wort bezeichnet in den magischen Schriften und Papyrus-Ur-kunden namentlich auch die Zauber-Handlungen 6 ), mag man auf-schlagen wo man will, man wird allerorten das Nämliche vorfinden: un-klare und weitschweifige Paraphrasen derAlten", die den Mangel jeglichereigener Sachkenntnis und praktischen Erfahrung bezeugen; kritildosesAufzählen und Rühmen der Autoritäten, ihrer Axiome und ihrer Präparate;schwülstige und scholastische Darlegungen unverstandener oder halb-verstandener Theorien; wirre mathematische und astrologische Anspielungen,

dies alles im Gewände hohler, unbestimmter, oft jedes faßbaren Inhaltesentbehrender Redensarton und dabei untermischt mit mystischen, enthu-siastischen und religiösen Anrufungen, Ausrufungen und Deklamationen.Das ganze Werk, Useneb 7 ) bezeichnet es als Homilie voll geheuchelten,Heidnisches, Mystisches und Christliches vermengendensacri furoris",bietet ein trauriges Beispiel des letzten und völligen Verfalles einer Wissen-schaft unter den Händen der vielschreibenden byzantinischen Buch-gelehrten und Kommentatoren; es ist geradezu eine Satire auf das hübschevon Stephanos irgend einem Vorgänger entlohnte Zitat 8 ):Die Wissen-schaft vermag alles; sie sieht das Unsichtbare und vollbringt das Un-mögliche."

Genauer auf den Inhalt des Buches einzugehen, von dem Ber-thelot übrigens keinen Abdruck, sondern nur einen Auszug gegeben

J ) in ihr gedenkt er u. a. eines weiblichen Agathodaimon, zijs 'AcpQoihijgäya&oöaifiovovtrqg (ÜSENER, a. a. O., 21). 2 ) S. hierüber weiter unten.3 ) üseneb'9, 13. 4 ) Beitr. 363. 6 ) Beitr. 437; Or. 199.6 ) Wünsch, A. Bei. 11, 386; Fahz, ebd. 15, 410. ') a. a. O. 9.8 ) Or. 274.