Zur Vorgeschichte der Alchemie: Der Leidener und Stockholmer Papyrus. 25
findest Smaragd" oder „du erhältst Purpur" *) —, und sie stellen ohnejedes Geheimtun und mit sichtlicher Befriedigung fest, zu wie erfreulichenZielen ihre Vorschriften führen: die Erzeugnisse sind gut, schön, sehrschön, vortrefflich, herrlich,- bewunderungswürdig 2 ), unbeschreiblich 3 ),wie echt, wie natürlich, schöner als natürlich 4 ), echt ägyptisch, schönwie die importierten (liav tcaXrj ßagßagiy.ij) 5 ), prima (ngayrr/), probehaltig,usf., so daß sie selbst die xeyyltm (Technitai, Werkmeister) täuschen, unddiese nichts von der Nachahmung bemerken 6 ).
Schon diese wiederholte Versicherung läßt ersehen, daß ursprüng-liche Ausüber der geschilderten „Künste" nicht die getäuschten und nichtsbemerkenden Arbeitsleute selbst waren, sondern ihnen übergeordnetePersönlichkeiten höheren Ranges, die zwar naturgemäß aus der Erfahrungder Techniker schöpften, aber weitergehende und auch eigentliche Geheim-Kenntnisse besaßen, die sie sogar ihren unmittelbaren Fachgenossen nichtohne Rückhalt überlieforten'). Des Näheren wird auf diese Verhältnisseweiter unlon zurückzukommen sein.
Zu den sehr spärlichen Autoren, die sich im Leidener und Stock-holmer Papyrus als Verfasser benutzter Quellenschriften angeführt finden,gehören neben dem im nachfolgenden noch ausführlich zu besprechendensog. Demokritos (Pseudo-Demokritos), der späteren Zeiten als „ersterAlchemist" und „Vater der Alchemie" gilt, noch Phimenas, Anaxilaosund Aphrikianos. Den Ägypter Phimenas aus Sais, der nur im LeidenerPapyrus vorkommt, hat Berthelot mit einem anderweitig als „Magier"bekannten Pammenes identifiziert, — ob mit Recht, bleibt aber durchausfraglich 8 ); der Römer Africianus ('AcpQiHiavög) 9 ), ist zweifellos als derVerfasser des, nur in sehr entstellter und interpolierter Gestalt auf unsgekommenen Sammelwerkes „Kosten" anzusehen, d. i. als jener JuliusSextus Africanus, der nachweislich zu Beginn des 3. Jahrhunderts lobteund literarisch tätig war 10 ); der Grieche Anaxilaos endlich, dessen Zeit-alter Lagercrantz für unbestimmbar ansah 11 ), ist, wie Diels erinnert,sicherlich der nämliche aus dem berüchtigten Zauborlande Thessalienstammende „Pythagoräer", von dessen magischen Kunststücken unddessen Ausweisung aus Italien im Jahre 28 v. Chr. Plinius berichtet 12 );dem Stockholmer Papyrus zufolge 13 ) empfahl er u. a. ein von Demokritosherrührendes Rezept, und Diels vermutet, daß ein größerer Teil auch derübrigen Vorschriften durch ihn aus der [noch unveränderten, also noch nichtin alchemistischem Sinne entstellten] Urschrift des Pseudo-Demokritosvermittelt ist; auf diesen scheint in einzelnen Punkten vielleicht auch dieSprache des Stockholmer Papyrus zurückzugehen, die sichaber als eine äußerst gewöhnliche erweist.
im ganzen
!) 12, 25. 2 ) 36. 3 ) 28. 4 ) 143. 5 ) 26, 27. 6 ) 133 ff., 143.
') 142 ff.; s. die Anweisung „äjtöxQVfov ngäyfia" (halte den Kunstgriff geheim)gelegentlich der Purpur-Kaltfärberei (28). 8 ) 105, 110; s. über ihn weiter unten.
9 ) 32, 37. 10 ) 106; s. über ihn weiter unten. u ) 115.
12 ) Diels, a. a. O., 906; seiner zwischen neupythagoräischer Philosophie undMedizin geteilten Interessen, und der Ausweisung wegen Zauberei-Verdachtes durchKaiser Atoustus gedenkt auch Wellmann (PW. 1, 2084). 13 ) 3.