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[1] (1919) Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, mit einem Anhang: Zur älteren Geschichte der Metalle
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Vorrede.

Die Geschichte der Alchemie ist nach Kopp „die Geschichte einesIrrtums" 1 ). Die Seltsamkeit seiner Natur, die Größe seines Beharrungs-vermögens und die Bedeutsamkeit seiner Folgen stempeln ihn in gleicherWeise zu einem der merkwürdigsten im Gesamtgebiete der Kulturentwick-lung. Daß die Kunst des Gold- und Silbermachens ungefähr seit Beginnunserer Zeitrechnung den Anspruch erheben und auch festhalten konnte,eine tatsächliche zu sein, obwohl sie im Verlaufe von fast zwanzig Jahr-hunderten niemals auch nur das geringste nachweisbare Ergebnis, ge-schweige denn einen dauernden Erfolg zu verzeichnen hatte, möchte zu-nächst unbegreiflich, ja unfaßbar erscheinen! Einige Aufklärung gewährenindessen Beispiele, die verwandten Gebieten zu entnehmen sind, z. B.jenem der Astrologie, über die es im 2. Teile des „Paust" heißt 2 ):

„Empfangt mit Ehrfurcht sterngegönnte Stunden:

Durch magisch Wort sei die Vernunft gebunden;

Dagegen weit heran bewege frei

Sich herrliche verwegne Phantasei.

Mit Augen schaut nun was Ihr kühn begehrt,

Unmöglich ist's, drum eben glaubenswert."

Von solchem Glauben gilt, was Uhxand in den „Schriften zur Ge-schichte der Dichtung und Sage" ausspricht 3 ): „Aller Zauberglaube beruhtauf dem Gefühle der Abhängigkeit von Kräften, deren Wirken ein Un-begriffenes ist und eben darum auch für ein Grenzenloses angesehen werdenkann; ... da wird denn . . . eine Formel gesucht, welche, die Sinne treffend,unmittelbar das Geheimnis in sich schließt." Hinsichtlich derartiger Ge-fühle und Formeln wieder sagt Boitche-Leclebcq ebenso geistvoll wietreffend 4 ): „Lehren, die sich auf den Glauben berufen, müssen ihrenUrsprung verbergen und in eine möglichst entlegene Vorzeit zurückversetzen,um der Kritik zu entgehen. Sie suchen die Wunder, und zwar die ,alten',als spezifische Kennzeichen göttlicher Werke oder Wahrheiten, und wünschennicht, daß ihnen Einsicht das Vergnügen des Glaubens verderbe. DenGlauben der Menschen erfüllt aber das, was sie hoffen, daher geht er ausjeder Widerlegung durch die Erfahrung immer wieder siegreich hervor;auch ist die Fähigkeit zu glauben unbegrenzt, und was man voraussetzt

17.

1 ) „Beiträge zur Geschichte der Chemie" (Braunschweig 1869) 1, 11

2 ) Goethes „Werke" (Weimarer Ausgabe) Bd. 15, 80; Vers 6415 ff

3 ) Stuttgart 1868; 7, 404.

4 ) „L'astrologie grecque" (Paris 1899) 51, 578, 207, 548, 579, 573.