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6,1 (1918) Dicotyledones : (V. Teil)
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342. Campanula rotundifölia L. (= C. minor Lam., = C. minüta Savi, = C. reni-formis Pers., = C. angustifölia Lam., = C. heterophylla Gray, = C. diversifolia Dum.,= C. Reboudiäna Gren. et Godr.). Rundblätterige Glockenblume. Taf. 256, Fig. 2.

Fast überall werden die Campanula-Arten in erster Linie nach ihren glockenförmigen Blüten benannt,z . B. Klockje (Ostfriesland), Klöckskes (Emsland), GlöckI, Glöckerl (bayerisch - österreichisch),Glocka (schwäbisch), Klo ckenblaumen (Braunschweig), Gloggäblü emli (Schweiz), blaue GlöckI(Böhmerwald, Egerland), Blauglocka (Schwäbische Alb), Wetterglö ekeln [das Abreissen dieser Blumensoll nach dem Volksglauben ein Gewitter heraufbeschwören oder den Blitz anziehen] (Altbayern), Gewitter-glöckl (Nordböhmen), Seichglöckl [als Mittel gegen Blasenleiden?] (Nordböhmen), Feldglock'n (Nieder-österreich). Auch mit einem Fingerhut wird die Blüte häufig verglichen, daher Fingerhot (Schleswig),Fingerhuat (Altbayern), Fingerhütla (Schwäbische Alb), Fingerhoo d sb lome (Bremen), blauerFingerhut (fast überall). Vereinzelte Bezeichnungen sind Chuchischelle [vgl. Pulsatilla Bd. III, pag. 535](Thurgau), Schlotterhose (Zürich), Narre(n)kapp (Elsass), S ch endegraben , -gräber [weil diePflanzen schwer auszugraben sind] (Nahegebiet). Für C. rotundifölia insbesondere werden angegeben: BlaueKnollblume, Knockblume [vgl. Silene inflata Bd. III, pag. 279] (Riesengebirge), Gallb 1 eaml [Heilmittel ?].Vaschreikräutl [vgl. Linaria vulgaris Bd. VI, pag. 25] (Niederösterreich). Vgl. ferner die Namen vonC. patula, persieifolia, rapuneuloides. Im romanischen Graubünden heisst die Glockenblume schlops (Remüs),brunsina (Berninagebiet).

Pflanze ausdauernd, (5) 10 bis 30 (60) cm hoch, lockerrasig. Grundachse dünn,walzenförmig, ästig, kriechend, sterile Blattrosetten und blühende Stengel treibend. Stengelaufrecht, aufsteigend oder überhängend, unten ringsum kurz feinflaumig, sehr selten kahloder dicht steiflich behaart, einfach oder rispig-ästig. Laubblätter kahl, sehr selten,kurz steifhaarig; die der grundständigen Rosetten zur Blütezeit oft schon verwelkt, langgestielt, nierenförmig oder herzförmig-rundlich, gekerbt oder gesägt. Stengelblätter linealoder lineal-lanzettlich, die untersten selbst lanzettlich; alle deutlich kurz gestielt oder dieobersten sitzend, an der Basis nicht gewimpert, die unteren mitunter gesägt. Blütenziemlich lang gestielt, in einer lockeren, einfachen oder ästigen, meist allseitswendigen,ziemlich reichblütigen (nur bei Kümmerformen 1- bis wenigblütigen) Traube. Blütenknospenaufrecht, erst kurz vor dem Aufblühen nickend. Kelchzipfel lineal bis borstlich, spitz,kürzer als die Blumenkrone, aufrecht, abstehend oder zurückgeschlagen. Blumenkroneglockig, 12 bis 22 mm lang, dunkel blauviolett, seltener hellblau, sehr selten weiss, biszu etwa V 3 ihrer Länge in spitz-eiförmige Zipfel gespalten. Antheren so lang oder längerals ihre Staubfäden. Pollen gelb. Kapsel nickend, eirundlich, kahl, nahe dem Grunde mit3 Löchern sich öffnend. V bis XL

Häufig und verbreitet auf Wiesen, Grasplätzen, an buschigen Stellen, an Felsen,Mauern, im Felsschutt, in lichten, trockenen Wäldern; von der Ebene bis in die alpineStufe (in Bayern bis 1300 m, im Wallis bis 2130 m).

Allgemeine Verbreitung: Europa (mit Ausschluss des äussersten Südens;nördlich bis Island und Skandinavien, bis 71° T nördl. Breite); Sibirien; Nordamerika.

Campanula rotundifölia ist eine ausserordentlich formenreiche Pflanze, die überdies von einigen nahe-stehenden Arten, wie C. linifolia, C. Kladniana und C. Scheuchzeri nicht vollkommen scharf geschieden ist.Charakteristisch für sie ist in erster Linie die kurze, flaumige Behaarung des unteren Teiles des Stengels, dienur ausnahmsweise bei einigen Unterarten ganz fehlt und bei den sehr seltenen dicht kurz-steifhaarigen Formendurch die längere Behaarung verdeckt wird, dann die aufrechten Blütenknospen und die am Grunde nicht ge-wimperten Laubblätter. Campanula cochleariifolia ist von ihr durch die stets vorhandene steife Stengel-behaarung, dem rosaroten Pollen, die nickenden Blütenknospen und die mehr bauchigen und anders gefärbtenBlüten leicht zu unterscheiden. C. Scheuchzeri unterscheidet sich durch den ganz kahlen Stengel, durchnickende Blütenknospen und durch sitzende, am Grunde gewimperte Laubblätter, C. linifolia durch völlige Kahlheit(ausnahmsweise ist die Pflanze dicht kurz-steifhaarig, niemals aber der Stengel dicht kurz-flaumig) und dielangen, abstehenden oder zurückgeschlagenen Kelchzipfel und die grossen Blüten, C. Kladniana ebenfalls durchvöllige Kahlheit und aufrechte Blüten, C. inconcessa endlich am sichersten durch die sehr kurzen Antheren.CamDanula Beckiana und C. Baumgartenü sind durch die lanzettlichen Stengelblätter leicht zu unterscheiden.