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1904 wurden allein aus Frankreich 48 000 kg Karden nach Deutschland eingeführt. Immerhin ist man in neuererZeit wieder mehr zu der Verwendung der Weber-Karde zurückgekehrt — wenigstens für die feinwolligenStoffe und Loden —, da es nicht gelungen ist, die mangelnde Elastizität der Stahlspitzen zu überwinden, diebei einem Widerstände im Gewebe oft beträchtlichen Schaden anrichten können. Die Weberkarde ist dagegenvon einer ausgezeichneten Biegsamkeit und ihre stacheligen, an der Spitze hakenförmig-umgebogenen Spreu-blätter zerreissen die Gewebefäden niemals, sondern geben bei Widerstand sofort nach. In einzelnen klimatischgünstigen Gebieten von Bayern scheint der Kardenbau niemals ganz aufgehört zu haben. Zur Zeit wird diePflanze kultiviert in Niederbayern auf dem linken Donauufer bei Vilshofen (Hofkirchen, Winzer, Altaich, Hengers-berg), in Oberfranken im Bezirksamt Forchheim (Ebersbach, Langensendelbach, Effeltrich, Dormitz, Gräfenbergund Boxdorf), in Mittelfranken (Baiersdorf, Spardorf, Buckenhof, Kalchreut, Eschenau, Atzeisberg, Marloffstein,Bamberg) und in der Pfalz (Schifferstadt). Der Ueberlieferung nach kam der Kardenbau durch Händler, welchein Avignon Geschäfte hatten, nach Niederbayern. Nach neuesten Berichten soll die bayerische Karde denbesten französischen Sorten gleichkommen. Im Anbaugebiet der Donau wurden in einzelnen Jahren bis40 Millionen Karden im Werte von 150 000 Mark geerntet. Ausser Bayern finden sich Kardenkulturen beiLeipzig (früher bei Lemmatsch), in Mähren (früher bei Brunn, Weisskirchen, Neutitschein; verschleppt in Littau),in Oberösterreich (bei Linz), in Steiermark (Söding und Stainz), in Elsass-Lothringen, vereinzelt in Baden undWürttemberg. In Ost- und Westpreussen, ebenso in der Schweiz, scheint D. sativus niemals angebaut wordenzu sein. Im Grossen wird die Pflanze seit alters in Frankreich (Provence, um Avignon, Normandie, Sedan etc.)sowie im Orient kultiviert. Als Stammpflanze der Weberkarde wird allgemein D. ferox Loiseleur aus Südwest-europa angesehen. Die Kultur ist verhältnismässig einfach. Die Karde verlangt zu ihrem Gedeihen einen tonigen,wasserhaltigen Boden und anscheinend viel Wärme. Schwere Böden liefern grosszackige Ware. Gewöhnlich wirddie zweijährige Pflanze in Pflanzbeeten herangezogen und dann im Sommer (Ende August) in Entfernungen vonca. 60 cm verpflanzt. Die Ernte beginnt in Bayern nach dem Weizenschnitt, Ende Juli, wenn die Disteln in vollerBlüte stehen. Hierauf erfolgt das Trocknen, zunächst an der Sonne, nachher im Schatten, damit die Kardeneine schöne, grünliche Färbung behalten. Hierauf werden die harten Hüllblätter mit der Schere entfernt. Da dieKardenköpfe in den Tuchfabriken zwischen Rahmen eingespannt werden, müssen die Köpfe mit ca. 10 cm langenStielen versehen sein. Ein Hektar kultivierte Fläche liefert durchschnittlich 240 000 Kardenköpfe. Auch sollen dieBlätter der Weber-Karde als Futter der Ricinus-Seidenraupe (Bombyx cymthia) Verwendung finden (Dr. Hegi).
285. Dipsacus laciniätUS L. Gelappte Karde. Fig. 155 e bis g.
Pflanze zweijährig, 50 bis 120 (200) cm hoch. Stengel aufrecht, kantig, an denKanten stachelig, oben ästig. Laubblätter der grundständigen Rosette kurz gestielt, ver-kehrt-eilänglich, stumpf oder spitz, ungleich gekerbt oder fiederlappig, beiderseits borstlichbehaart. Stengelblätter am Grunde paarweise breit miteinander verwachsen und ein kleinesBecken bildend, im Umriss länglich, zugespitzt, leierförmig-fiederlappig bis fiederspaltigmit ungleich gekerbten oder grob eingeschnittenen Zipfeln, am Rande borstig gewimpert,sonst zerstreut borstig-behaart oder kahl, unterseits am Mittelnerv stachelig. Köpfcheneilänglich, 5 bis 8 cm lang. Hüllblätter lanzettlich-pfriemlich, angedrückt oder weit ab-stehend, am Rand und Mittelnerv zerstreut stachelig, ungleich, meist kürzer als das Köpfchen(Fig. 155f). Spreublätter gewimpert, in eine spitze, gerade, biegsame Spitze auslaufend,länger als die Blüten (Fig. 155g). Blüten 13 mm lang, blasslila oder weiss. Frucht 5mmlang. — VII, VIII.
Zerstreut und selten im Tieflande, an Rainen, auf feuchten Wiesen, an Waldrändern,in Gebüschen, Gräben.
In Deutschland zerstreut in der Rheinebene im Oberelsass (von Basel bis Strassburg nicht selten).in Baden (im Rheingebiet bis Mannheim), in der bayerischen Pfalz (Altripp, Oggersheim, Lambsheim, Franken-tal), in Rheinhessen, bei Frankfurt a. M., in Württemberg (bei Stuttgart: Degerloch-Möhringen, Birkach),bei Magdeburg (Gr. Salze, zwischen Wolmirstedt und Samswegen), in Schlesien (in der Ebene und im niedernVorgebirge ziemlich häufig) und in Westpreussen (häufig in der Weichselniederung, zwischen Gr. und Kl. Nebrau,Ziegelscheune, Neuhöfen, bei Marienwerder, Mewe, Mösland, Ziegelback, Dirschau, Lowigus bei Kl. Garz, imKreis Kulm zwischen Pien und Mosgowin, zwischen Bolumin und Siemon). Fehlt im übrigen nördlichen undnordwestdeutschen Flachland gänzlich, ebenso in Lothringen, im rechtsrheinischen Bayern (früher bei Würzburg).in Thüringen und Sachsen. In O esterreich in den Niederungen zerstreut; nur in Tirol und Salzburg ganzfehlend. In der Schweiz vereinzelt im Jura, in den Kantonen Waadt, Genf und Tessin.