684
Vergleich der Hetero-Fünfringe.
linge ausüben, erscheinen. Untersuchungen, welche dieses Ziel syste-matisch an einem umfassenden Material verfolgen, liegen indes bishernicht vor 1 . Man stößt daher einstweilen bei dem Versuch, einen solchenVergleich auf Grund der vorhandenen Beobachtungen zu ziehen, aufviele Lücken.
Dies zeigt sich schon bei der Betrachtung der Tabellen Nr. 6 und 7(S. 685—686), welche nur die bei chemischen Untersuchungen gangbarstenphysikalischen Konstanten — Schmelzpunkt, Siedepunkt und spezifischesGewicht — zusammengestellt enthalten. Um die Lücken teilweise aus-zufüllen, sind in ihnen außer den wirklich beobachteten (nicht ein-geklammerten) Zahlen noch in eckigen Klammern einige Werte angegeben,welche sich nicht auf direkte Beobachtungen stützen, sondern nach denKonstanten strukturell nahestehender Verbindungen (Homologe, A-Alkyl-Derivate) unter Berücksichtigung von häufig bestätigten Regelmäßigkeitengeschätzt sind. Die Tabelle Nr. 6 enthält die Zahlen für einkernigeStammkörper, Nr. 7 für die naphthalinartig aus einem Benzol-Kern undeinem heterocyclischen System kondensierten Stammkörper.
Bezüglich des Siedepunktes läßt sich sagen, daß der Ersatz vonSauerstoff durch Schwefel als Ringglied stets eine beträchtliche Erhöhungbewirkt (um 25—50°); dies entspricht der Erfahrung, die sich bei denacyclischen Verbindungen ergibt, wenn man Äther mit Sulfiden vergleicht.Während aber bei offenen Ketten die Verbindung, welche Imid an Stellevon Schwefel enthält, leichter flüchtig ist, zieht Ersatz von Schwefeldurch Imid als Ringglied geringere Flüchtigkeit nach sich. In deracyclischen Reihe 2 besitzt also die schwefelhaltige Verbindung denhöchsten Siedepunkt, in der cyclischen dagegen die imidhaltige:
Diäthyläther : 35°,Furan : 32°,
Cumaron : 174°,
Diäthyl-sulfid
: 92°,
Diäthylamin
: 56°;
Thiophen
: 84°,
Pyrrol
:130°;
Thionaphthen
222°,
Indol
:253°.
— Sehr charakteristisch ist ferner die Verschiedenheit des Einflussesauf die Flüchtigkeit, welchen der Ersatz eines CH< Gliedes in einemstickstoffhaltigen Ring durch Stickstoff ausübt, je nachdem dieser Ersatzdas Nachbarglied des schon vorhandenen Stickstoffs betrifft oder einnicht direkt mit letzterem verbundenes Ringglied. In beiden Fällen
1 Für das spektrochemische Verhalten hat Brühl (B. 40, 1157 [1907]. Ph. Ch.79, 38, 481 [1912]) einen Anfang gemacht; vgl. dazu: Eisenlohe, B. 44, 3204 (1911).— Auwebs, B. 44, 3687 (1911). A. 408, 255 (1915).
9 Sind 0, S bzw. NH acyclisch einerseits oder beiderseits an ein isocyclischesRadikal gebunden, so bewirken S und NH gegenüber 0 annähernd die gleiche Ver-minderung der Flüchtigkeit:
Methyl-phenyl-äther : 154 °, Methyl-phenyl-sulfid : 188 °, Methyl-phenyl-amin : 193 °;Diphenyl-äther :252°, Diphenyl-sulfid :294°, Diphenyl-amin :302°.