Geschichte des Indigblaus.
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(vgl. S. 230 und S. 272 die ähnlichen Synthesen des «-Methyl-indolsund der Indol-«-carbonsäure).
Das Diindolyl ist eine fein krystallierte, gelbliche, in den meisten Lösungs-mitteln sehr schwer lösliche Substanz, die gegen 300° unter vorher beginnenderZersetzung schmilzt. Ein mit ihrer Lösung getränkter Fichtenspan färbt sich imSalzsäure-Dampf sofort blauschwarz; beim Versetzen der Eisessig-Lösung mit etwasWasserstoffsuperoxyd tritt Rotfärbung ein. Das Perchlorat C 16 H 1S N 2 + HC10 4 bildetorangegelbe Nädelchen, das Pikrat C 16 H 12 N 2 -1- 2C 6 H 3 0 7 N 3 krystallisiert in dunkel-braunen violettschimmernden Nädelchen. Das Diindolyl wird durch Chlor leichtsubstituiert. Einwirkung von salpetriger Säure s. S. 308—309.
Es ist die Aufgabe dieses Kapitels, das Indigblau und andereDerivate der Diindolyle zu schildern. Daran schließen sich ferner Ver-bindungen, welche dem Indigblau in ihrem molekularen Bau ähneln,aber nur einen Indol-Komplex enthalten, während der zweite durcheinen isocyclischen oder durch einen anderen heterocyclischen Komplexvertreten ist.
Geschichtliches über das Indigblau.
Schon im Altertume 1 wurde der aus Indien stammende, aus ge-wissen Pflanzen erzeugte Indigo als Farbe benutzt, wie wir besondersaus einer von Plinius gegebenen Beschreibung wissen. Zu seinerbeherrschenden Stellung in der Färberei — er wurde der „König derFarbstoffe" genannt — gelangte er, als seit dem Anfange des sech-zehnten Jahrhunderts infolge der Entdeckung des Seeweges nach Indiengrößere Mengen nach Europa eingeführt wurden.
Die Erkenntnis der Konstitution entwickelte sich aus Untersuchungenüber die chemischen Umwandlungen des natürlichen Farbmaterials,denen dann seine Synthese aus den gewonnenen Abbauprodukten, sowieaus anderen Stoffen folgte.
Als das erste Ergebnis der analytischen Untersuchungen, das sichin der Folgezeit als bedeutungsvoll für das Problem herausstellte, darfman wohl die Entdeckung des Isatins (1841) durch O. L. Ebdmann undLaurent (vgl. S. 257) bezeichnen.
An dieses Oxydationsprodukt knüpfen ein Vierteljahrhundert nachseiner Entdeckung die planmäßigen Untersuchungen an, die Baeyekvon 1865—1870 anstellte und nach einer achtjährigen Pause in denJahren 1878.—1883 zu Ende führte. Seine Arbeiten 2 haben eine voll-ständige Lösung der Frage gebracht; aber damit ist ihr Inhalt keines-wegs erschöpft. Durch die Methoden, welche in ihrem Verlaufe er-sonnen wurden, durch die Erscheinungen, welche das Studium derAbbau-Produkte aufdeckte, haben sie ganz allgemein die Entwickelung
1 Vgl. zur Geschichte des Indigos: G-. Schultz, Chemie des Steinkohlenteers,3. Aufl. Bd. II (Die Farbstoffe) (Braunschweig 1901), S. 351 ff.
2 Zusammenfassende Rückblicke gab Baeter, B. 13, 2254 (1880); 33, Sonder-heft S. LI (1900).