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Grundriß der Physik für Studierende, besonders für Mediziner und Pharmazeuten : mit 125 Abb.
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Optik.

kreisel); in letzterem Falle erfolgt die Verschmelzung der Farbenzu Weiß erst im Gehirn. Vereinigt man nicht alle Farben desSpektrums, so entsteht nicht Weiß, sondern eine sog. Mischfarbe.Nach Ausschaltung von Rot z. B. entsteht Grün. Rot und Grünzusammen geben also Weiß. Je zwei Farben, bei denen dies derFall ist, heißen Komplementärfarben.

Die Erklärung dieser Erscheinungen ist nach Newton folgende:Die Spektralfarben sind als .einfaches oder homogenes Licht zubetrachten, d. h. sie bestehen nur aus Wellen gleicher Schwingungs-zahl; und zwar hat Rot die kleinste, Violett die größte Schwingungs-zahl. Da sich nun alle Farben gleich schnellfortpflanzen, so folgt aus der Formel v = n'X,[§ 61] daß die roten Strahlen die größte,die violetten die kleinste WellenlängeR haben. Im weißen Lichte sind alle Wellen-y formen enthalten, es ist also zusammen-gesetztes Licht. Geht es durch einenbrechenden Körper, namentlich durch einFl S- c0, Prisma, so werden seine einzelnen Bestand-

teile verschieden stark gebrochen, am stärkstendas Violett, am wenigsten das Rot (Fig. 85); sie werden also dadurchvoneinander getrennt, zerstreut (dispergiert). 1 )

1 Da die Brechung von der Fortpflanzungsgeschwindigkeit abhängt, dieseaber für alle Farben gleich ist, so besteht hier eigentlich ein Widerspruch.Man hilft sich mit der Annahme, daß dem Äther zwischen materiellen Mole-külen durch Reibung ein Bewegungshindernis entsteht, das mit der Schwingungs-zahl wächst. Es sei hier übrigens kurz darauf hingewiesen, daß es auchandere Erklärungen der Farben gibt. So hat Goethe eingehende Studiendarüber veröffentlicht, die freilich stark angefochten wurden. Er leitet dieFarben davon ab, daß entweder Licht durch ein trübes Medium gesehenwird, oder daß hinter einem beleuchteten trüben Medium sich ein dunklerHintergrund befindet. Im ersten Falle erscheint daä Licht hei geringererTrübung des Mediums gelb und geht mit zunehmender Trübung in gelbrotund rot über; im zweiten Falle sieht man eine blaue Farbe, die mit ab-nehmender Dichte des Mediums ins Violette übergeht. In neuester Zeit hat0. Eosehbach diese Ansicht in gewissem Sinne wieder aufgenommen; er faßtHelligkeit und Dunkelheit als Fundamentalreize auf, die entgegengesetzt ge-richtete Bewegungen der Sehnervenmoleküle bewirken. Aus ihrer Mischungin verschiedenen Verhältnissen sind alle Farben abzuleiten, wie er auchexperimentell durch seine Farbensirene nachwies. Dies ist eine durchlöchertePappscheibe, deren dem Beschauer zugewandte Seite ganz dunkel (schwarz)ist, und die vor einer gleichmäßig beleuchteten weißen Fläche verschiedenschnell rotiert.