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2 (1912) Organischer Teil
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Stereoisomerie bei ungesättigten Verbindungen.

von nascierendem Wasserstoff, z. B. bei der Einwirkung von Natrium-amalgam, gehen die ungesättigten Säuren in gesättigte über:

CH 3 — CH = CH — COOH + 2HCrotonsäure.

CH 3 — CH, — CH 2 — COOH.

Buttersäure.

Gegen Oxydationsmittel, namentlich gegen Kaliumpermanganat, sinddie ungesättigten Säuren sehr unbeständig, da sie hierdurch an derStelle der doppelten Bildung angegriffen werden.

Durch das Verhalten gegen Kaliumpermanganat läßt sich eine gesättigte Säure sehrleicht von einer ungesättigten unterscheiden. Gibt man zu der Lösung einer Säurein Sodalösung einige Tropfen Kaliumpermanganatlösung, so bleibt die Rotfärbung, fallsdie Säure gesättigt ist, in der Kälte längere Zeit unverändert, während eine ungesättigteSäure das Kaliumpermanganat sofort entfärbt.

Wie Halogene und Wasserstoff, so vermögen die ungesättigten Säuren auchmanche andere Substanzen unter Umwandlung der Doppelbindung in eine einfachezu addieren, z. B. Hydroxylamin, unter geeigneten Bedingungen auch Ammoniak. MitOzon vereinigen sie sich zu den leicht zersetzlichen üzoniden. Beim Kochen mitNatronlauge erfahren manche ungesättigten Säuren einen Platzwechsel der Doppel-bindung; so gehen die ß, y-riäuren hierbei in a, ß-Säuren über. Beim Schmelzen mitÄtzkali werden sie gespalten, aber nicht immer an der Stelle der Doppelbindung,sondern es entstehen in der Regel Essigsäure und eine Säure, die zwei Kohlenstoffatomeweniger enthält als diejenige, die man der Reaktion unterworfen hat.

Namentlich die niederen Glieder der Ölsäurereihe besitzen die bei ungesättigtenVerbindungen häufig auftretende Neigung, sich zu polymerisieren.

Stereoisomerie bei ungesättigten Verbindungen. Bei denungesättigten Säuren linden sich zuweilen Isomere, deren Verschieden-heit durch die Strukturformeln nicht mehr 1 ausgedrückt wird. So kennenwir zwei Crotonsäuren, denen nach ihrer Bildung und ihren Umsetzungendie Formel CH 3 — CH = CH — COOH zukommt. Man erklärt diese Iso-merie auf Grund der räumlichen Verhältnisse der

ft ^-------—^y COOH Molekeln, indem man dem Kohlenstoffatom, wie

zur Erklärung der optischen Aktivität orga-nischer Verbindungen, das Tetraedermodell zu-grunde legt (van't Hoff) (S. 68). Sind zweiKohlenstoffatome durch einfache Bindung mit-einander verknüpft, so ist, wie Abb. 20 zeigt,die die Formel der Buttersäure darstellt, einefreie Drehung beider Kohlenstoffatome um denBerührungspunkt möglich. Die Abb. 21 und 22zeigen die Baumformeln der Crotonsäuren,CH 3 — CH = CH— COOH. In ihnen sind zweiKohlenstoffatome durch eine Doppelbindung mit-einander verknüpft, und die freie Drehung istdaher aufgehoben. Man erkennt aber aus denFormeln, daß die beiden Verbindungen, die durch sie dargestellt werden,nicht identisch sind, denn in Abb. 21 stehen sich zwei Wasserstoff-atome und anderseits die Substituenten CH 3 und COOH" gegenüber,in Abb. 22 aber einmal H und COOH und anderseits H und CH 3 . Diebeiden Formeln stellen aber auch keine Spiegelbilder dar; ihre Stereo-isomerie ist also nicht mit der der optisch aktiven Verbinclungen zuvergleichen, die auf der Asymmetrie eines Kohlenstoffatoms beruht.Um die Stereoisomerie der ungesättigten Verbindungen durch eineeinfache Schreibweise auszudrücken, schreibt man z. B. die Formelnder stereoisomeren Crotonsäuren:

Abb. 20. Buttersäure.