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1 (1910) Anorganischer Teil
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Verbindungen des Silbers.

Das Atomgewicht des Silbers ist von besonderer Bedeutung,weil man aus dem Verhältnis, in dem sich Silber mit den Halogenenverbindet, das Atomgewicht dieser Elemente abgeleitet hat, das wiederzur Bestimmung des Atomgewichts anderer Elemente, z. B. der Alkali-metalle diente (S. 300). Die Genauigkeit aller dieser Bestimmungenhängt also von der des Silberatomgewichts ab. Man hat das Ver-hältnis, in dem sich Silber mit Sauerstoff verbindet, nicht direkt durchAnalyse der Verbindung Ag 2 0 ermittelt, die bisher genaueste Fest-stellung erfolgte vielmehr auf folgendem Wege. Eine bestimmte Ge-wichtsmenge reines Silber wurde in Silbernitrat übergeführt. Hierbeiergab sich, daß 100 Gewichtsteile Ag 157,479 Gewichtsteile AgN0 8liefern. Das auf 0 = 16 bezogene Atomgewicht des Stickstoffs istsehr genau festgestellt und beträgt 14,010, mithin ist N0 3 = 62,010.Da nun das Silbernitrat 100 T. Ag und 57,479 T. N0 3 enthält, so ergibtsich das Atomgewicht des Silbers aus der Gleichung: 57,479:62,01 =100 :x, d. h. es beträgt 107,883.

Verbindungen des Silbers.

Das Silber bildet ein einwertiges, farbloses Jon Ag". In derSpannungsreihe steht das Silber zwischen Quecksilber und Platin,es besitzt daher eine geringere Neigung, in den Jonenzustand über-zugehen, als die meisten andern Metalle und wird durch sie ausseinen Salzlösungen metallisch abgeschieden (S. 433). Diese Eigen-schaft, leicht den Jonenzustand zu verlieren, ist ein Kennzeichen derEdelmetalle. Dieser geringen Elektroaffinität entspricht die Neigungzur Bildung komplexer Salze (S. 438). Das Silber zeigt hierin großeÄhnlichkeit mit dem Kupfer, indem es sowohl mit Ammoniak, alsmit Cyan komplexe Jonen bildet. Von allen Verbindungen des Silbersist das Silbersulfid, Ag 2 S, die am wenigsten lösliche, in Wasser prak-tisch unlöslich sind ferner das Chlorid, Bromid, Jodid, Cyanid undRhodanid, doch gibt es für alle diese Verbindungen Lösungsmittel,die sie in komplexe Verbindungen überführen. Die meisten Silber-salze werden durch das Licht zersetzt, wobei sie sich schwärzen, dasich metallisches Silber in sehr feiner Verteilung ausscheidet.

Die Verbindungen des Silbers spielen eine wichtige Rolle in derPhotographie, ferner dienen sie zu medizinischen und kosmetischenZwecken, Haarfärbemittel enthalten sehr häufig Silbersalze. Die lös-lichen Silbersalze fällen Eiweiß und wirken daher als Ätzmittel, auchbesitzen sie stark antiseptische Wirkung. Bei innerer Darreichungsollen sie auch eine Wirkung auf das Zentralnervensystem ausüben.Bei lange andauernder Einnahme kleiner Mengen von Silberverbin-dungen wird metallisches Silber in feinster Verteilung im Bindegewebeder Haut abgelagert, die dadurch eine nie mehr verschwindende,schiefergraue Färbung annimmt (Argyrie).

Die Löslichkeit der Halogenverbindungen des Silbers nimmtmit zunehmendem Atomgewicht der Halogene, also in der ReihenfolgeAgF, AgCl, AgBr, AgJ ab. Das Silberfluorid ist leichtlöslich, währendes die drei andern Verbindungen so wenig sind, daß sie praktischals unlöslich gelten, auch in Salpetersäure lösen sie sich nicht.

Silberchlorid, AgCI, wird als weißer, käsiger Niederschlag ausder Lösung eines Silbersalzes durch ein lösliches Chlorid gefällt:

Ag- + Cl' = AgCl.