Druckschrift 
1 (1910) Anorganischer Teil
Entstehung
Seite
426
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

426

Metallammoniake.

GoS0 4 +7KN0 2 +2G 2 H 4 0 2 ==K 3 Co(N0 2 ) 6 +2C 2 H 3 0 2 K+K 2 S0 4 +NO+H 2 0.

Die Kobaltojonen werden hierbei durch die oxydierende Wirkung dersalpetrigen Säure in dreiwertige Kobaltijonen übergeführt' und dasKobaltinitrit tritt mit Kaliumnitrit zu dem komplexen Salz zusammen:3KN0 2 + Oo(N0 2 ) 3 ==K 3 Co(N0 2 ) 6 . Das Kaliumkobaltinitrit ist eins derwenigen sehr schwer löslichen Kaliumsalze, eine Lösung des leichtlöslichen Natriumsalzes Na 3 Co(N0 2 ) c kann daher als Reagens aufKaliumjonen dienen.

Ferner bildet das Kobalt zwei komplexe Cyanverbindungen, diedem gelben und roten Blutlaugensalz analog zusammengesetzt sind.Versetzt man die Lösung eines Kobaltosalzes mit Kaliumcyanid, sofällt rotbraunes Kobaltocyanid, Co(CN) 2 , das sich im Überschuß desKaliumcyanids zu komplexem, braunem Kaliumkobaltocyanid löst:4KCN-|-Co(CN) 2 = K 4 Co(CN) G . Diese Verbindung oxydiert sich an derLuft bald, die Lösung färbt sich hellgelb und enthält dann Kalium-kobalticyanid, K 3 Co(CN) e :

2K 4 Co(CN) 6 + 0 + H 2 0 = 2K 8 Co(CN) 8 + 2K0H.

Da die Lösung keine Kobaltjonen mehr enthält, sondern das kom-plexe Jon [CofCN) 6 ]'", so ruft weder Ammoniumsulfid noch Natron-lauge in ihr einen Niederschlag hervor. Die Bildung dieses Salzesist wichtig für die Erkennung des Nickels neben Kobalt (s. Nickel).

Metallammoniake. Eine größere Zahl komplexer Salze leitetsich von den Kobaltisalzen durch Addition von Ammoniak ab.So kennt man das Triaminkobaltichlorid, Co(NH 3 ) 3 Cl 3 , das Tetramin-kobaltichlorid, Co(NH 3 ) 4 Cl 3 , das Pentaminkobaltichlorid, Go(NH 3 ) 5 Cl 3 ,und das Hexaminkobaltichlorid, Co(NH 3 ) 6 Cl 3 . Man nennt diese Ver-bindungen Metallammoniake.

Die Metallammoniake, die sich in derselben Weise auch von vielenandern Metallen, wie Nickel, Chrom, Kupfer, Silber, Platin, ableiten,sind komplexe Verbindungen, in denen das Metall und das Ammoniakzusammen das Kation bilden, aber auch das Chlor ist nicht immer voll-ständig durch Silbernitrat fällbar, das nicht fällbare Chlor kann, alsonicht als Anion vorhanden sein, sondern muß einen Teil des komplexenKations bilden. A. Werner erklärt das Verhalten dieser Verbindungendurch die folgende Anschauung. Die Verbindung Co(NH 8 ) 6 Cl 3 bestehtaus den Jonen [Co(NH 3 ) 6 ]"' und 3 Gl', in ihr ist also das gesamte Chlordurch Silbernitrat fällbar, während weder Kobalt noch Ammoniakihre gewöhnlichen Reaktionen zeigen. Die Ammoniakmolekeln könnenaber durch die gleiche Anzahl Wassermolekeln oder durch Säurereste,wie Cl, N0 3 , S0 4 , vertreten werden. In der Verbindung Co(NH s ) 6 Cl 3 ist,ein Ammoniak durch Chlor ersetzt worden, wodurch eine der positivenLadungen des Kations neutralisiert worden ist, die Verbindung enthältalso das zweiwertige Kation [Go(NH 3 ) 6 Cl]'* und nur noch zwei Chloratomesind dissoziierbar und durch Silbernitrat fällbar. Im Tetraminkobalti-chlorid, Co(NH 3 ) 4 Cl 3 , sind zwei Ammoniak durch zwei Chloratomeersetzt, es bleibt mithin nur noch ein jonisierbares und fällbaresChlor übrig. Im Triaminkobaltichlorid endlich, Co(NH 3 ) 3 Cl 3 , sind alledrei Chloratome an Stelle dreier Ammoniakgruppen in das Kationeingetreten und die Verbindung dissoziiert in wässeriger Lösung über-haupt nicht, es kann mithin kein Chlor gefällt werden und die Lösungzeigt auch kein elektrisches Leitvermögen. Das Wesentliche dieser