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1 (1910) Anorganischer Teil
Entstehung
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Calciumoxyd.

Beim Eindampfen der wässerigen Lösung erhält man ein zerfließ-liches, sehr hygroskopisches, in sechsseitigen hexagonalen Säulenkristallisierendes Salz der Zusammensetzung CaCl 2 -6H 2 0. Beim Er-hitzen löst es sich in seinem Kristallwasser, gibt dann einen Teildavon ab unter Bildung des Salzes CaCl 2 -2H 3 0, und schließlichhinterbleibt die wasserfreie Verbindung CaCl 2 zunächst als eine poröse,schwammförmige Masse, die schließlich bei etwa 800° schmilzt. Siebindet mit großer Begierde Wasser und dient daher zum Trocknenvon Gasen und organischen Flüssigkeiten, wie Äther und Chloroform.Hierzu verwendet man entweder das seiner großen Oberfläche wegensehr wirksame schwammförmige oder das bis zum Schmelzen erhitzteund in Stangen gegossene Calciumchlorid. Beim Schmelzen reagiertes leicht mit der Luftfeuchtigkeit und zeigt dann alkalische Reaktion,da sich etwas Calciumoxyd bildet: CaCl 2 -|-H 2 0 = CaO -f- 2HC1. InWasser löst sich das wasserfreie Salz unter starker Wärmeentwick-lung, während sich das Hydrat unter Abkühlung löst und zu Kälte-mischungen dient (S. 58). Da der Siedepunkt einer Lösung mit derKonzentration steigt, so lassen sich Calciumchloridlösungen herstellen,die weit über 100° sieden. So liegt der Siedepunkt einer Lösung vonCalciumchlorid in der gleichen Gewichtsmenge Wasser bei 128 °, wovonman zur Herstellung von Dampf- oder Wasserbädern von höhererTemperatur Gebrauch macht. Der Gefrierpunkt einer konzentriertenLösung liegt weit unter 0°, und man benutzt solche in Kältemaschinenauf . 20° abgekühlte Calciumchloridlösungen zur Kühlung großerRäume, wie der Lagerkeller der Bierbrauereien und der Kühlräumein Schlachthäusern, die sie in einem Röhrensystem durchfließen.

Calciumfluorid, CaF 2 , ist ein häufig vorkommendes Mineral, dasden Namen Flußspat führt. Dieser Name rührt daher, daß es mitvielen Schlacken leicht schmelzbare Gemenge bildet und daher inder Metallurgie als Flußmittel dient. Der Flußspat ist häufig schöngefärbt, kristallisiert im regulären System in Würfeln oder Oktaedernund phosphoresziert nach gelindem Erwärmen. Von dieser Erschei-nung rührt der Name Fluoreszenz. Das Calciumfluorid ist im Gegen-satz zum Chlorid, Bromid und Jodid in Wasser unlöslich, es wird alsgallertartiger Niederschlag aus der Lösung eines Calciumsalzes durchein lösliches Fluorid gefällt: CaCl 2 + 2NaF = CaF 2 + 2NaCl. Der Fluß-spat ist die verbreitetste aller Fluorverbindungen und dient daher zuihrer technischen Darstellung.

Calciumoxyd, CaO, und Calciumhydroxyd, Ca(OH) 2 .

Das Calciumoxyd, gebrannter Kalk oder Ätzkalk, wird ingroßen Mengen durch Erhitzen von Calciumkarbonat hergestellt:

CaC0 3 = CaO + C0 2 .Das geschieht in Kalköfen, in denen man entweder durch die loseangehäuften Stücke von Kalkstein eine Flamme schlagen läßt, oderman führt in Schachtöfen abwechselnd Schichten von Kalkstein undKohle von der oberen Öffnung her ein. Während die Kohle verbrennt,wandelt sich der Kalkstein in gebrannten Kalk um, der unten abgezogenwird. Diese Öfen gestatten einen ununterbrochenen Betrieb. Inmanchen Fällen wird das hierbei entweichende Kohlendioxyd abge-saugt und zu andern Zwecken, wie zur Darstellung von Ammoniak-soda, verwandt.