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Dissoziationsgrad, Stärke der Säuren und Basen.
Chlor = 35,46) und enthält 1 g Wasserstoff. 1 Wird also ein MolChlorwasserstoff in einem Liter Wasser gelöst, so würde diese Lösunghei vollständiger Dissoziation des Chlorwasserstoffs in Wasserstoff-jonen und Chlorjonen 1 g Wasserstoffjonen enthalten. Ein Mol unter-chloriger Säure, HC10, d. h. 84,46 g (H = 1, Cl = 35,46, 0 = 16),enthält ebenfalls 1 g Wasserstoff, eine Lösung, die ein Mol unterchlorigeSäure im Liter enthält, sollte also dieselben sauren Eigenschaften be-sitzen, wie die Lösung des Chlorwasserstoffs. Tatsächlich ist aberdie Salzsäure eine viel stärkere Säure als die unterchlorige Säure,es müssen also die Wasserstoffjonen bei ihr in viel größerer Konzen-tration vorhanden sein. Diese Erscheinung erklärt sich dadurch, daßdie Dissoziation der Elektrolyte in der Regel keine vollständige ist,sondern daß neben den Jonen ein mehr oder weniger großer, zuweilensehr beträchtlicher Teil der Molekel in undissoziiertem Zustande vor-handen ist. Bei einer Säure ist der undissoziierte Anteil ohne Ein-fluß auf den Säurecharakter, der ja nur durch die Konzentration derWasserstoffjonen bedingt wird. Die Stärke einer Säure hängt alsovon ihrem Dissoziationsgrade ab. So ist die Salzsäure sehr weit-gehend dissoziiert, während in der Lösung der unterchlorigen Säurenur ein geringer Bruchteil der Molekeln in Jonen gespalten ist. EinMaß für den Grad der Dissoziation besitzen wir in der Leitfähigkeitfür den elektrischen Strom. Diese hängt mit dem Vorhandensein derJonen auf das engste zusammen, da sie es sind, die die Leitungdes elektrischen Stroms in einer Lösung vermitteln (S. 88). Darausergibt sich, daß solche Säuren, die dem Wasser, das in ganz reinemZustande ein Nichtleiter ist, eine starke Leitfähigkeit erteilen, weit-gehend dissoziiert sind, das sind dieselben, die auch in anderer Be-ziehung eine starke Säurewirkung ausüben, während solche Säuren,die in Lösung nur zu einem geringen Teil der Dissoziation anheim-fallen, dem Wasser auch nur eine geringe Leitfähigkeit erteilen können,das sind diejenigen, die wir als schwache Säuren bezeichnen. Ganzdieselben Darlegungen gelten auch für die Basen. Starke Basen, wieKalilauge und Natronlauge, sind viel bessere Leiter des elektrischenStroms als schwache, d. h. die Konzentration der Jonen ist bei ihneneine größere, sie enthalten also im gleichen Volumen eine größereAnzahl OH'-Jonen als schwache Basen.
Der Dissoziationsgrad, der angibt, ein wie großer Bruchteil derMolekeln eines Elektrolyten in Jonen dissoziiert ist, ist keineswegsfür ein und denselben Elektrolyten eine unveränderliche Größe. Eshat sich vielmehr herausgestellt, daß verdünnte Lösung ein verhältnis-mäßig viel stärkeres Leitvermögen besitzt, als konzentrierte, dielieitfähigkeit nimmt mit der Verdünnung wohl ab, aber bei weitemnicht in dem Maße, wie die Verdünnung fortschreitet. Daraus folgt,daß der Zerfall eines Elektrolyten in seine Jonen mit wachsenderVerdünnung zunimmt, daß aber eine konzentrierte Lösung stets nocheinen Teil der Molekeln in nicht dissoziiertem Zustande enthält. Manunterscheidet nach dem Dissoziationsgrade starke und schwacheElektrolyte. Starke Elektrolyte nennt man diejenigen, die schonin konzentrierter Lösung mehr als zur Hälfte dissoziiert sind, zuihnen gehören die meisten Salze und von den bisher besprochenen
1 Das Atomgewicht des Wasserstoffs beträgt zwar 1,008( (S. 26), aber für allepraktischen Rechnungen wird diese Zahl auf 1 abgerundet.