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Die Elemente der Entwicklungslehre des Menschen und der Wirbeltiere : Anleitung und Repetitorium für Studierende und Ärzte
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Zwölftes Kapitel.Die Organe des Zwischenblattes oder Mesenehyms.

Schon im ersten Teile des Lehrbuchs (S. 63) sind die Gründe an-gegeben worden, die es notwendig erscheinen lassen, außer den vierepithelialen Keimblättern noch ein besonderes Zwischenblatt oderMesenchym zu unterscheiden. Die Unterscheidung rechtfertigt sichauch durch den weiteren Fortgang der Entwicklung. Denn alle dieverschiedenen Gewebe und Organe, welche sich von dem Zwischenblattableiten, lassen auch später noch in vielfacher Weise ihre enge Zu-sammengehörigkeit erkennen. In histologischer Hinsicht faßt man jaschon lange die verschiedenen Arten der Bindesubstanzen als eineGewebsfamilie auf.

Ursprünglich ist die Aufgabe des Zwischenblattes, was namentlichbei niederen Tierstämmen, wie bei den Cölenteraten, auf das deut-lichste hervortritt, eine Füll- und Stützmasse zwischen den Epithel-blättern zu bilden. Daher steht es auch in seiner Ausbreitung zu diesenin enger Abhängigkeit. Wenn die Keimblätter sich nach außen in Faltenerheben, dringt es zwischen den Faltenblättern als Stützlamelle mit ein;wenn die Keimblätter nach innen sich einfalten, nimmt es die sich sondern-den Teile auf, wie bei den Wirbeltieren das Nervenrohr, die quergestreiftenMuskelmassen, das sekretorische Drüsenparenchym, Augenbecher undHörbläschen, und liefert ihnen eine besondere, sich ihnen anpassendeUmhüllung (Hirnhäute, Perimysium, Bindesubstanz der Drüsen). In-folgedessen gestaltet sich auch das Zwischenblatt zu einem außerordent-lich komplizierten Gerüste in demselben Maße um, als die Keimblätterdurch Aus- und Einfaltung und Abschnürung einzelner Teile in reicherWeise gegliedert jund in die verschiedensten Organe zerlegt werden.Außerdem aber gewinnt das Zwischenblatt, besonders bei den Wirbel-tieren, noch durch seine eigene große Umbildungsfähigkeit einen ver-wickelten Bau, nämlich auf dem Wege histologischer Sonderungoder durch Gewebsmetamorphose; es gibt so einer großen Reiheverschiedener Organe, den knorpeligen und knöchernen Skeletteilen,den Faszien, Aponeurosen und Sehnen, den Blutgefäßen und Lymph-drüsen usw. den Ursprung. Daher wird es hier am Platze sein, etwasnäher auf das Prinzip der histologischen Differenzierung ein-zugehen und namentlich zu untersuchen, in welcher Weise die Ent-stehung gesonderter Organe im Mesenchym vor sich geht.

Die ursprünglichste und einfachste Form des Mesenehyms ist dasGallertgewebe. Nicht nur herrscht es bei niederen Tierstämmenallein vor, sondern es entwickelt sich auch bei allen Wirbeltieren zuerstaus den embryonalen Zellen des Zwischenblattes und ist hier der Vor-